Der Boden, der fliegt
Kreativpädagogischer Workshop zwischen Reggae und Goa-Trance als Topf und Deckel und der windschiefen Ebene des Dancefloors
Der Boden, der fliegt ist ein tanzpädagogischer Workshop, der Reggae und Goa-Trance als zwei energetische Pole erfahrbar macht: Erdung und Ekstase, Kreis und Spirale, Sinken und Ziehen. Die Teilnehmenden bewegen sich durch fünf Stationen — ikonografisch, choreografisch, dramaturgisch, philosophisch und rituell — und erforschen die windschiefe Ebene als ästhetischen, körperlichen und gedanklichen Möglichkeitsraum.
Theoretischer Abschnitt
Die windschiefe Ebene als Denk- und Erfahrungsraum
Die windschiefe Ebene bildet das ästhetisch-philosophische Zentrum des Workshops. Sie ist kein stabiler Ort, sondern ein Zustand der Nicht-Verortbarkeit, der neue Denk-, Körper- und Bedeutungsräume öffnet. Indem sie klare Koordinaten verweigert, zwingt sie die Teilnehmenden, ihre Orientierung, ihr Gleichgewicht und ihre Wahrnehmung immer wieder neu auszuhandeln.
Diese Instabilität ist kein Mangel, sondern ein Generator: Sie macht sichtbar, dass Stabilität eine Konstruktion ist und dass künstlerische Prozesse dort beginnen, wo Gewohnheiten ins Rutschen geraten. Die windschiefe Ebene erzeugt einen Zwischenraum, in dem Reggae (Erdung, Immanenz) und Goa-Trance (Ekstase, Auflösung) nicht als Gegensätze erscheinen, sondern als gleichzeitige Kräfte, die den Körper in Schwingung versetzen.
In tanzpädagogischer Perspektive wird die windschiefe Ebene zu einem Lernraum ohne Zentrum. Sie fordert die Teilnehmenden heraus, ihren eigenen Schwerpunkt zu finden, Unsicherheit produktiv zu nutzen und Bedeutungen nicht zu fixieren, sondern im Balancieren zu entdecken.
Reggae und Goa-Trance: Gegenüberstellung
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Reggae |
Goa-Trance |
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nach unten, in die Hüfte |
nach vorne, in die Spirale |
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Schwerkraft / Sinken |
Schwerelosigkeit / Steigen |
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warm, erdig, sonnig |
kühl, kosmisch, Neon |
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Trance durch Raum & Offbeat-Atmung |
Trance durch Dichte & BPM-Kontinuum |
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sozial, politisch |
spirituell, transpersonal |
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Gemeinschaft / Widerstand |
Individuelle Reise / Auflösung |
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der Verwurzelte, der Erdende |
der Reisende, der Lichtkörper |
Ziele
Fachlich-ästhetische Ziele
- Erleben und Unterscheiden zweier Bewegungsqualitäten (Reggae & Goa).
- Gestaltung von Szenen und Bildern aus Instabilität und Übergang.
- Entwicklung eines ästhetischen Verständnisses für Spannung, Rhythmus und Raum.
Soziale Ziele
- Förderung von Kooperation, Wahrnehmung und Ensemblegefühl.
- Gemeinsames Entwickeln von Bildern, Szenen und Ritualen.
- Stärkung nonverbaler Kommunikation.
Personale Ziele
- Erweiterung der Körperwahrnehmung.
- Mut zum Improvisieren und zum produktiven Umgang mit Unsicherheit.
- Reflexion über eigene Stabilitäts- und Bewegungsmuster.
Philosophisch-reflexive Ziele
- Auseinandersetzung mit Immanenz (Reggae) und Ekstase (Goa).
- Erkennen von Nicht-Verortbarkeit als kreativer Ressource.
- Entwicklung eines eigenen inneren Bildes der windschiefen Ebene".
Methoden
- Körperarbeit & Bewegungsimprovisation
- Ikonografisches Arbeiten (Kreise, Spiralen, Bodenbilder)
- Objekttheater & Raumdramaturgie
- Szenische Miniaturen
- Philosophisch-performative Gesprächsformen
- Rituelle Rahmung & Installation
Dramaturgische Hinweise
- Der Workshop lebt davon, dass nichts ganz gerade ist.
- Instabilität wird nicht korrigiert, sondern genutzt.
- Die Gruppe navigiert zwischen den Polen — sie harmonisiert sie nicht.
- Die Musik dient nicht als Hintergrund, sondern als energetischer Partner.
- Die Objekte sind nicht Requisiten, sondern Mitspieler.
- Die Installation am Ende ist kein Ergebnis, sondern ein Resonanzkörper.
Wo der Boden kippt, beginnt das Denken zu fliegen.