theater24.net — Karsten Schönwald, M.A. — Düsseldorfer Modell / OGS

Freier Fall für
Adams Apfel

Sinn. Schule. Performanz.
oder: Warum wir sinnvolles Wissen nicht vermitteln können
Der Kindertext
Freier Fall für Adams Apfel
Welcher Apfel fällt nicht weit vom Stamm?
Welcher fiel Newton auf den Kopf?
Der dritte — den kennst du noch nicht?
Welcher? Wir sagen es dir, wenn du kommst?

Den sechsten Sinn hast du schon benutzt — auf dem Weg hierher.
Welcher Sinn macht Sinn!
Freier Fall für Adams Apfel
I

Ausgangspunkt

Wir leben in einer Situation in der Abbilder immer perfekter werden. Fotografien die nie gemacht wurden. Stimmen die niemand gesprochen hat. Texte die niemand gedacht hat. Die Unterscheidung zwischen Schein und Sein wird schwieriger — nicht weil Menschen dümmer werden, sondern weil die Werkzeuge der Täuschung präziser werden.

Die Antwort ist älter und einfacher: ein Kind das weiß wie Zimt wirklich riecht — weil es gerochen hat und nicht weil es beschrieben wurde — hat ein Instrument das kein Abbild ersetzen kann. Leibliche Urteilsfähigkeit. Die Gewissheit die nur durch den eigenen Körper entsteht.

Darum geht es hier.

II

Warum ein MINT-Vorhaben?

Diesem Vorhaben liegt eine naturwissenschaftliche Fragestellung zugrunde — nicht eine kulturelle, nicht eine künstlerische, nicht eine mediale. Das ist keine strategische Umetikettierung. Es ist eine konzeptionelle Aussage über das was hier tatsächlich stattfindet.

Sensorische Wahrnehmung ist die Grundlage aller empirischen Erkenntnis. Die Frage die dieses Vorhaben stellt ist dieselbe die jede Naturwissenschaft stellt: Was nehme ich wahr? Wie überprüfe ich es? Was schließe ich daraus?

Der Unterschied ist das Messinstrument: nicht das Mikroskop, nicht das Thermometer — sondern der eigene Körper. Das Sinnesorgan ist das präziseste Instrument das wir haben. Es zu schulen ist keine ästhetische Übung — es ist wissenschaftliche Grundlagenarbeit.

Die Kinder führen Versuche durch. Am Ende jeder Sitzung steht ein konkretes naturwissenschaftliches Experiment. Nicht das Ergebnis zählt — das Ergebnis ist bekannt. Was zählt ist der Prozess: Wissenschaft als kollektive Handlung.

III

Grundidee

Wie viele Sinne hat der Mensch? Fünf — das weiß jedes Kind. Aber stimmt das wirklich?

Die Performative Schule der Sinne beginnt mit einer Frage die sie nicht sofort beantwortet. Sie sagt: Es gibt sechs. Und dann schweigt sie — und arbeitet. Denn der sechste Sinn lässt sich nicht erklären — nur entdecken.

Der sechste Sinn — der Gleichgewichtssinn — ist entwicklungsbiologisch der erste Sinn überhaupt. Er ist der einzige Sinn ohne Objekt. Er nimmt nicht etwas wahr — er nimmt wahr wie das Subjekt sich zur Welt verhält.

Das erste ist das letzte — ohne aufzuhören, das erste zu sein.

Den sechsten Sinn haben die Kinder bereits benutzt — auf dem Weg zum Kurs.

Modul I
Riechen
angenehm / unangenehm
frisch / muffig
vertraut / fremd
4
Modul II
Fühlen
heiß / kalt
rau / glatt
schwer / leicht
4
Modul III
Hören
laut / leise
hoch / tief
Klang / Stille
4
Modul IV
Schmecken
süß — sauer — salzig
bitter — umami
4
Modul V
Sehen
hell / dunkel
nah / fern
scharf / unscharf
4
Modul VI
Gleichgewicht
stabil / kippend
zentriert / trudeln
geerdet / schwebend
4
IV

Methodik

Das synästhetische Prinzip

Synästhesie ist keine Begabung und keine Ausnahme. Sie ist der Normalzustand früher Wahrnehmung. Das methodische Prinzip lautet: Ein Sinn öffnet einen anderen. Heisenbergs Unschärferelation als pädagogische Haltung: in dem Moment in dem ein Kind einen Sinn durch einen anderen öffnet, ist nicht mehr bestimmbar welcher Sinn gerade arbeitet.

Drei antike Kunstformen

Mousike — Musik, Gesang, Wort
Hören
I
Klang
II
Rhythmus
III
Melodie
IV
Takt
Bild — Malerei
Sehen
I
Farbe
II
Form
III
Körper
IV
Konzept
Skulptur — Tanz
Gleichgewicht
I
Stehen
II
Gehen
III
Fallen
IV
Tanzen
Tanzen setzt voraus dass man fallen kann. Wer das Gleichgewicht nie verliert, tanzt nicht — er marschiert.

Die Werkzeug-Matrix

Jedes Modul nähert sich seinem Themen-Sinn durch vier verschiedene Werkzeug-Sinne. Die Matrix ist kein Stundenplan — sie ist ein Navigationsinstrument.

Modul→ Riechen→ Fühlen→ Hören→ Schmecken→ Sehen→ Gleichgewicht
I — Riechenriecht sich selbstWas fühlt sich wie ein Geruch an?Was klingt wie ein Geruch?Was schmeckt wie ein Geruch?Was sieht aus wie ein Geruch?Was bringt mich aus dem Gleichgewicht — wie ein Geruch?
II — FühlenWas riecht heiß oder kalt?fühlt sich selbstWas klingt rau oder glatt?Was schmeckt schwer oder leicht?Was sieht sich hart oder weich an?Was balanciere ich wenn ich fühle?
III — HörenWas riecht laut oder leise?Was fühlt sich wie Stille an?hört sich selbstWas schmeckt wie ein Rhythmus?Was sieht aus wie ein Klang?Wo verliere ich das Gleichgewicht im Klang?
IV — SchmeckenWas riecht süß oder bitter?Was fühlt sich wie Umami an?Was klingt sauer oder salzig?schmeckt sich selbstWas sieht aus wie ein Geschmack?Was hält mich aufrecht wenn ich schmecke?
V — SehenWas riecht hell oder dunkel?Was fühlt sich scharf oder unscharf an?Was klingt wie Farbe?Was schmeckt wie ein Bild?sieht sich selbstWo steht mein Körper wenn ich genau hinschaue?
VI — GleichgewichtWas riecht stabil oder kippend?Was fühlt sich wie Balance an?Was klingt zentriert oder trudeln?Was schmeckt wie Gleichgewicht?Was sieht aus wie Fallen?spürt sich selbst
V

Organisatorischer Rahmen

Anbieter
theater24.net — Karsten Schönwald, M.A.
Rahmen
Düsseldorfer Modell / OGS
Zielgruppe
Grundschule (6–10 J.) · Sek I (10–14 J.)
Umfang
1× wöchentlich · 60–90 Min.
Laufzeit
Halbes Schuljahr · 24 Sitzungen
Gruppengröße
8–14 Teilnehmende
Raumbedarf
Bewegungsraum ohne feste Bestuhlung
Material
Wird vom Anbieter gestellt