Warum Adams Apfel?
Warum Adams Apfel?
Der Adamsapfel ist der Schildknorpel des Kehlkopfs — beim Mann stärker ausgeprägt und von außen sichtbar. Er ist das Zeichen einer anatomischen Besonderheit die mit der menschlichen Lautbildung zusammenhängt. Der menschliche Kehlkopf sitzt tiefer als bei anderen Primaten — das ermöglicht einen größeren Resonanzraum und damit eine breitere Palette von Lauten. Vögel können singen. Menschen können sprechen.
Aber warum heißt er Adams Apfel?
Die Volksüberlieferung sagt: ein Stück des verbotenen Apfels blieb Adam im Hals stecken. Das Zeichen der Erkenntnis sitzt seither im Körper, sichtbar, unverwechselbar. Genau dort wo das Wort entsteht — wo der Körper zur Sprache wird.
Der Apfel der Erkenntnis ist der Apfel des Verlustes. Mit dem Biss in die Frucht beginnt das Benennen — und mit dem Benennen beginnt der Abstand zur Sache. Das Wort Zimt ist nicht der Geruch von Zimt. Das Symbol ist nicht die Sache. Der Mensch der erkennt und benennt verlässt den Zustand in dem Abbild und Sache noch eins waren.
Das ist der freie Fall. Nicht als Strafe — als Bedingung des Denkens.
Fünf Wörter: Freier Fall für Adams Apfel. Was zunächst wie ein Bild klingt — verspielt, rätselhaft — trägt mehr als es zeigt. Den Körper der erkennt und dabei sich selbst verliert. Die Schwerkraft die alles zur Erde zieht. Den Gleichgewichtssinn, den ältesten aller Sinne, der hält ohne zu benennen. Und die uralte Frage: was bleibt vom Menschen wenn das Wort kommt?
Zurück ins Paradies führt kein Weg. Aber zurück zur Erfahrung — zur leiblichen Gewissheit, zum Körper der weiß bevor er benennt — das ist möglich. Das ist der Weg den dieses Vorhaben geht.
Welcher Apfel fällt nicht weit vom Stamm? Welcher fiel Newton auf den Kopf? Der dritte liegt im Hals. Er war immer schon da. Er ist nicht gefallen — er ist die sinnliche Vergegenwärtigung dessen, was der Fall ist.