Phasenstruktur Halb- oder Ganzjahr
Das Halbjahresprojekt verdichtet das Vorhaben auf einen Durchgang von September bis Januar oder Februar bis Juli. Es ist für Gruppen geeignet, die einen klaren Einstieg und Abschluss innerhalb eines Halbjahres benötigen — oder als Pilotform, bevor das Vorhaben als Ganzjahresprojekt verankert wird. Die Grundstruktur bleibt spiralförmig, aber komprimiert: Die drei Kernphasen — Begegnung, Vertiefung, Verdichtung — folgen zügiger aufeinander. Der Fokus liegt auf dem Wesentlichen: die beiden Figuren, die Grundfrage, der Perspektivwechsel.
Phasenstruktur Halbjahr
Einstieg mit dem Märchen Hans im Glück: lesen, erzählen, spielen. Die Kinder begegnen einem Hans, der alles verliert und glücklich bleibt. Dann tritt die zweite Figur auf: der Hans, dem die Wurst gestohlen wurde. Die Kinder entwickeln gemeinsam die Grundsituation — Figuren, Ort, beteiligte Personen, erste Reaktionen. Schwerpunkte
Diese Phase ist das Herzstück des Halbjahresprojekts. Sie fasst zusammen, was im Ganzjahresprojekt auf zwei Phasen verteilt ist: die Differenzierung des Lachens und die Untersuchung seiner sozialen Struktur. Schwerpunkte
Leitfrage: Warum lachen wir — und was sagt das über uns?
Was wäre nötig, damit aus dem Auslachen Mitgefühl wird? Die Kinder entwickeln Varianten der Geschichte mit offenem Ausgang und bringen das Erarbeitete in eine zeigbare Form. Schwerpunkte
Das Halbjahresprojekt endet mit einem klaren Abschluss — nicht mit einem offenen Prozess. Die Präsentation ist möglich, aber nicht zwingend.
Das Ganzjahresprojekt ist die eigentliche Form dieses Vorhabens. Die spiralförmige Struktur entfaltet ihren vollen Sinn erst über das ganze Schuljahr: Dieselben Grundfragen kehren immer wieder — die Kinder begegnen ihnen mit wachsender Erfahrung, veränderter Perspektive und zunehmender Bereitschaft zur Selbstreflexion. Was im Halbjahr verdichtet werden muss, kann hier atmen: Die Geschichte wächst langsam, die Figuren werden vertraut, die Reflexion vertieft sich. Das Lachen über Hans wird am Ende des Schuljahres etwas anderes sein als am Anfang — weil die Kinder selbst etwas anderes geworden sind.
Phasenstruktur Ganzjahr Phase 1 ·September – Oktober · ca. 12–15 Einheiten Zwei Hans — eine Geschichte Begegnung mit beiden Figuren · gemeinsame Entwicklung der Ausgangssituation · erste szenische Erkundungen |
Der Kurs beginnt mit dem Märchen. Hans im Glück wird gelesen, erzählt, gespielt — in Ruhe, mit Zeit für Rückfragen, Variationen, körperliche Erkundung. Die Kinder begegnen einer Figur, über die man lachen könnte, die aber am Ende recht behält. Dann tritt die zweite Figur auf: der Hans, dem die Wurst gestohlen wurde.
Schwerpunkte
- Szenische Erkundung des Märchens: Lesen, Nacherzählen, Spielen
- Vergleich der beiden Figuren: Was haben sie gemeinsam? Was trennt sie?
- Gemeinsame Entwicklung der Wurst-Geschichte als Gemeinschaftswerk der Gruppe
- Körperarbeit: Gangbilder, Haltungen, erste Charakterisierungen
- Sicherung: Wandzeitung, Figurentableau oder kurze Szenenfolge
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Phase 2 · November – Dezember · ca. 12–15 Einheiten Was ist das für ein Lachen? Differenzierung der Lachformen · erste Statusarbeit · Perspektivwechsel |
Beide Hans-Figuren werden ausgelacht — aber anders. Diese Phase untersucht den Unterschied und gibt den Kindern Zeit, das Lachen als Phänomen in seiner ganzen Breite zu erkunden.
Schwerpunkte
- Benennung und szenische Erprobung verschiedener Lachformen
- Vergleichsszenen: dieselbe Situation mit Hans im Glück und mit dem bestohlenen Hans
- Erste Statusübungen: Macht und Körper in der Szene
- Perspektivwechsel: die Diebstahlsszene aus verschiedenen Rollen
- Reflexionsrunden: Wann habe ich so gelacht? Wie hat es sich angefühlt?
Leitfrage: Was verändert sich, wenn ich die Seite wechsle?
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Phase 3 · Januar – Februar · ca. 12–15 Einheiten Schadenfreude unter der Lupe Soziale Dynamiken · Gruppen und Status · Zugehörigkeit und Ausschluss |
Schadenfreude hat eine Struktur. Diese Phase untersucht, unter welchen Bedingungen sie entsteht — und was sie über Gruppen, Zugehörigkeit und Status verrät. Das Halbjahr gibt hier Zeit, die eigene Lebenswelt einzubeziehen und Beobachtungen aus dem Schulalltag ernstzunehmen.
Schwerpunkte
- Gruppenarbeit zur sozialen Struktur der Schadenfreude
- Szenen mit wechselnden Gruppenkonstellationen: Was verändert sich, wenn Hans zur eigenen Gruppe gehört?
- Einbeziehung von Alltagssituationen aus dem Schulleben — ohne Beschämung, mit Neugier
- Kreative Gestaltung: Bilder, Szenen, Collagen zu dem, was Schadenfreude im Raum sichtbar macht
- Optionale Vertiefung: Filmbeispiele oder literarische Texte
Leitfrage: Warum lachen wir über jemanden — und was sagt das über uns?
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Phase 4 · März – April · ca. 12–15 Einheiten Solidarität als Entscheidung Empathie in Aktion · Handlungsoptionen · eigene Verhaltensweisen bewusster gestalten |
Was wäre nötig, damit aus dem Auslachen Mitgefühl wird? Diese Phase arbeitet an der Grenze zwischen Beobachtung und Entscheidung. Das Ganzjahresformat gibt den Kindern Zeit, die eigene Haltung wirklich zu erproben — nicht einmalig, sondern in mehreren Anläufen.
Schwerpunkte
- Szenenvarianten mit veränderten Ausgängen: Was passiert, wenn jemand eingreift?
- Statusübungen: Wer entscheidet, wer lacht? Was passiert, wenn jemand aufhört?
- Diskussionsrunden: Wann ist Einmischen richtig? Wann ist es schwer?
- Entwicklung eigener Szenen mit selbst gewählten Figuren und Konflikten
- Rückkehr zu Hans im Glück: Was können wir von seiner Haltung lernen — und was nicht?
Leitfrage: Was kann ich tun — und was hindert mich daran?
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Phase 5 ·Mai – Juli · ca. 12–15 Einheiten Hans auf der Bühne Verdichtung des Schuljahres · Probenarbeit · Abschlusspräsentation und Reflexion |
Das Schuljahr endet mit einer Verdichtung. Die Kinder bringen die Arbeit des Jahres in eine Form: keine fertige Inszenierung, sondern eine Folge von Szenen, Bildern und Momenten, die zeigt, was sie erarbeitet haben. Beide Hans-Figuren haben darin ihren Platz.
Schwerpunkte
- Auswahl und Verdichtung der stärksten Szenen und Materialien aus dem Schuljahr
- Probenarbeit: Wie zeige ich das, was ich verstanden habe?
- Abschlusspräsentation für eine andere Klasse, Eltern oder die OGS-Gemeinschaft
- Abschlussreflexion: Was habe ich über das Lachen gelernt? Was überrascht mich noch? Wer ist jetzt mein Hans?
Die Abschlusspräsentation ist kein Ziel, das den Kurs von Anfang an bestimmt. Sie ist eine Möglichkeit, das Erarbeitete sichtbar zu machen — für die Kinder selbst und für andere. Ob sie stattfindet und welche Form sie annimmt, entscheidet die Gruppe gemeinsam.