Phasenstruktur Halb- oder Ganzjahr

Variante A · Halbjahresprojekt

Ein Schulhalbjahr · ca. 25–35 Zeiteinheiten · 2–3 Einheiten pro Woche

Das Halbjahresprojekt verdichtet das Vorhaben auf einen Durchgang von September bis Januar oder Februar bis Juli. Es ist für Gruppen geeignet, die einen klaren Einstieg und Abschluss innerhalb eines Halbjahres benötigen — oder als Pilotform, bevor das Vorhaben als Ganzjahresprojekt verankert wird.

Die Grundstruktur bleibt spiralförmig, aber komprimiert: Die drei Kernphasen — Begegnung, Vertiefung, Verdichtung — folgen zügiger aufeinander. Der Fokus liegt auf dem Wesentlichen: die beiden Figuren, die Grundfrage, der Perspektivwechsel.

Zeitraum

Ein Schulhalbjahr (ca. 18–20 Schulwochen)

Umfang

Ca. 25–35 Zeiteinheiten  ·  2–3 Einheiten pro Woche  ·  je 45–60 Minuten

Geeignet für

Projektsemester, Erprobung, Gruppen mit begrenztem Zeitrahmen

Phasenstruktur Halbjahr

Phase 1 · Wochen 1–6 · ca. 10–12 Einheiten

Zwei Hans — eine Geschichte

Begegnung mit beiden Figuren · gemeinsame Entwicklung der Ausgangssituation

Einstieg mit dem Märchen Hans im Glück: lesen, erzählen, spielen. Die Kinder begegnen einem Hans, der alles verliert und glücklich bleibt. Dann tritt die zweite Figur auf: der Hans, dem die Wurst gestohlen wurde. Die Kinder entwickeln gemeinsam die Grundsituation — Figuren, Ort, beteiligte Personen, erste Reaktionen.

Schwerpunkte

  • Szenische Erkundung des Märchens und Vergleich der beiden Figuren
  • Gemeinsame Entwicklung der Wurst-Geschichte als Ausgangserzählung
  • Körperarbeit: Wie geht Hans im Glück? Wie geht der Bestohlene? Wie geht der Dieb?
  • Erste szenische Improvisationen zur Diebstahlsszene
  • Sicherung: Wandzeitung oder Figurentableau als gemeinsames Bild der Geschichte

 

Phase 2 · Wochen 7–14 · ca. 12–15 Einheiten

Lachen, Status, Perspektive

Lachformen · Statusarbeit · Schadenfreude · soziale Dynamiken

Diese Phase ist das Herzstück des Halbjahresprojekts. Sie fasst zusammen, was im Ganzjahresprojekt auf zwei Phasen verteilt ist: die Differenzierung des Lachens und die Untersuchung seiner sozialen Struktur.

Schwerpunkte

  • Benennung und szenische Erprobung verschiedener Lachformen: Auslachen, Mitlachen, solidarisches Lachen, erleichtertes Lachen
  • Vergleichsszenen: dieselbe Situation mit Hans im Glück und mit dem bestohlenen Hans
  • Statusübungen: Wer hat Macht in einer Szene? Wie zeigt sich das?
  • Perspektivwechsel: die Diebstahlsszene aus verschiedenen Rollen
  • Gruppenarbeit zur sozialen Struktur der Schadenfreude: Zugehörigkeit, Status, Erwartung
  • Reflexionsrunden mit konkretem Alltagsbezug

Leitfrage: Warum lachen wir — und was sagt das über uns?

Phase 3 · Wochen 15–20 · ca. 8–10 Einheiten

Verdichtung und Abschluss

Solidarität · eigene Szenen · Abschlusspräsentation

Was wäre nötig, damit aus dem Auslachen Mitgefühl wird? Die Kinder entwickeln Varianten der Geschichte mit offenem Ausgang und bringen das Erarbeitete in eine zeigbare Form.

Schwerpunkte

  • Szenenvarianten: Was passiert, wenn jemand eingreift?
  • Entwicklung eigener kurzer Szenen mit selbst gewählten Figuren
  • Auswahl und Verdichtung der stärksten Momente aus dem Halbjahr
  • Abschlusspräsentation für eine andere Klasse oder die OGS-Gemeinschaft (optional)
  • Abschlussreflexion: Was habe ich über das Lachen gelernt? Wer ist jetzt mein Hans?

Das Halbjahresprojekt endet mit einem klaren Abschluss — nicht mit einem offenen Prozess. Die Präsentation ist möglich, aber nicht zwingend.

 

Variante B · Ganzjahresprojekt

Das gesamte Schuljahr · ca. 60–80 Zeiteinheiten · 2–3 Einheiten pro Woche

Das Ganzjahresprojekt ist die eigentliche Form dieses Vorhabens. Die spiralförmige Struktur entfaltet ihren vollen Sinn erst über das ganze Schuljahr: Dieselben Grundfragen kehren immer wieder — die Kinder begegnen ihnen mit wachsender Erfahrung, veränderter Perspektive und zunehmender Bereitschaft zur Selbstreflexion.

Was im Halbjahr verdichtet werden muss, kann hier atmen: Die Geschichte wächst langsam, die Figuren werden vertraut, die Reflexion vertieft sich. Das Lachen über Hans wird am Ende des Schuljahres etwas anderes sein als am Anfang — weil die Kinder selbst etwas anderes geworden sind.

Zeitraum

Das gesamte Schuljahr (ca. 38–40 Schulwochen)

Umfang

Ca. 60–80 Zeiteinheiten · 2–3 Einheiten pro Woche · je 45–60 Minuten

Geeignet für

OGS-Jahreskurs im Düsseldorfer Modell · feste Kursgruppen mit kontinuierlicher Begleitung

Phasenstruktur Ganzjahr

Phase 1 ·September – Oktober · ca. 12–15 Einheiten

Zwei Hans — eine Geschichte

Begegnung mit beiden Figuren · gemeinsame Entwicklung der Ausgangssituation · erste szenische Erkundungen

Der Kurs beginnt mit dem Märchen. Hans im Glück wird gelesen, erzählt, gespielt — in Ruhe, mit Zeit für Rückfragen, Variationen, körperliche Erkundung. Die Kinder begegnen einer Figur, über die man lachen könnte, die aber am Ende recht behält. Dann tritt die zweite Figur auf: der Hans, dem die Wurst gestohlen wurde.

Schwerpunkte

  • Szenische Erkundung des Märchens: Lesen, Nacherzählen, Spielen
  • Vergleich der beiden Figuren: Was haben sie gemeinsam? Was trennt sie?
  • Gemeinsame Entwicklung der Wurst-Geschichte als Gemeinschaftswerk der Gruppe
  • Körperarbeit: Gangbilder, Haltungen, erste Charakterisierungen
  • Sicherung: Wandzeitung, Figurentableau oder kurze Szenenfolge

Phase 2 · November – Dezember · ca. 12–15 Einheiten

Was ist das für ein Lachen?

Differenzierung der Lachformen · erste Statusarbeit · Perspektivwechsel

Beide Hans-Figuren werden ausgelacht — aber anders. Diese Phase untersucht den Unterschied und gibt den Kindern Zeit, das Lachen als Phänomen in seiner ganzen Breite zu erkunden.

Schwerpunkte

  • Benennung und szenische Erprobung verschiedener Lachformen
  • Vergleichsszenen: dieselbe Situation mit Hans im Glück und mit dem bestohlenen Hans
  • Erste Statusübungen: Macht und Körper in der Szene
  • Perspektivwechsel: die Diebstahlsszene aus verschiedenen Rollen
  • Reflexionsrunden: Wann habe ich so gelacht? Wie hat es sich angefühlt?

Leitfrage: Was verändert sich, wenn ich die Seite wechsle?

Phase 3 · Januar – Februar · ca. 12–15 Einheiten

Schadenfreude unter der Lupe

Soziale Dynamiken · Gruppen und Status · Zugehörigkeit und Ausschluss

Schadenfreude hat eine Struktur. Diese Phase untersucht, unter welchen Bedingungen sie entsteht — und was sie über Gruppen, Zugehörigkeit und Status verrät. Das Halbjahr gibt hier Zeit, die eigene Lebenswelt einzubeziehen und Beobachtungen aus dem Schulalltag ernstzunehmen.

Schwerpunkte

  • Gruppenarbeit zur sozialen Struktur der Schadenfreude
  • Szenen mit wechselnden Gruppenkonstellationen: Was verändert sich, wenn Hans zur eigenen Gruppe gehört?
  • Einbeziehung von Alltagssituationen aus dem Schulleben — ohne Beschämung, mit Neugier
  • Kreative Gestaltung: Bilder, Szenen, Collagen zu dem, was Schadenfreude im Raum sichtbar macht
  • Optionale Vertiefung: Filmbeispiele oder literarische Texte

Leitfrage: Warum lachen wir über jemanden — und was sagt das über uns?

Phase 4 · März – April · ca. 12–15 Einheiten

Solidarität als Entscheidung

Empathie in Aktion · Handlungsoptionen · eigene Verhaltensweisen bewusster gestalten

Was wäre nötig, damit aus dem Auslachen Mitgefühl wird? Diese Phase arbeitet an der Grenze zwischen Beobachtung und Entscheidung. Das Ganzjahresformat gibt den Kindern Zeit, die eigene Haltung wirklich zu erproben — nicht einmalig, sondern in mehreren Anläufen.

Schwerpunkte

  • Szenenvarianten mit veränderten Ausgängen: Was passiert, wenn jemand eingreift?
  • Statusübungen: Wer entscheidet, wer lacht? Was passiert, wenn jemand aufhört?
  • Diskussionsrunden: Wann ist Einmischen richtig? Wann ist es schwer?
  • Entwicklung eigener Szenen mit selbst gewählten Figuren und Konflikten
  • Rückkehr zu Hans im Glück: Was können wir von seiner Haltung lernen — und was nicht?

Leitfrage: Was kann ich tun — und was hindert mich daran?

Phase 5 ·Mai – Juli · ca. 12–15 Einheiten

Hans auf der Bühne

Verdichtung des Schuljahres · Probenarbeit · Abschlusspräsentation und Reflexion

Das Schuljahr endet mit einer Verdichtung. Die Kinder bringen die Arbeit des Jahres in eine Form: keine fertige Inszenierung, sondern eine Folge von Szenen, Bildern und Momenten, die zeigt, was sie erarbeitet haben. Beide Hans-Figuren haben darin ihren Platz.

Schwerpunkte

  • Auswahl und Verdichtung der stärksten Szenen und Materialien aus dem Schuljahr
  • Probenarbeit: Wie zeige ich das, was ich verstanden habe?
  • Abschlusspräsentation für eine andere Klasse, Eltern oder die OGS-Gemeinschaft
  • Abschlussreflexion: Was habe ich über das Lachen gelernt? Was überrascht mich noch? Wer ist jetzt mein Hans?

Die Abschlusspräsentation ist kein Ziel, das den Kurs von Anfang an bestimmt. Sie ist eine Möglichkeit, das Erarbeitete sichtbar zu machen — für die Kinder selbst und für andere. Ob sie stattfindet und welche Form sie annimmt, entscheidet die Gruppe gemeinsam.