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vom 4. Dezember 2021 KÖLN

Live-Performance wurde abgesagt - Livestream fand statt! Angesichts der gesellschaftlichen Gefährdung - verstärkt durch Corona-Viren der Delta - und der aufkommenden Omikron-Variante - ist nun auch unsere Produktion vom Virus indirekt betroffen. Wegen einer ungeklärten 2G- bzw. 3G-Regelung zwischen Arbeitsplatz und Öffentlichkeit waren, wir gezwungen, auf die Visualisierung von Bild im Kontrast zum Körper als reales Gegenüber in der Form zu verzichten, die für ein externes Live-Publikum geschaffen wäre. Der Körper wäre bildhaft aufgelöste bzw. aufzulösen und hätte dann ein anderes Medium, die virtuelle Realität. Die Vermittlung von Sinn und Sprache wäre davon aber ungetrübt geblieben. Nachträglich zum 250. Geburtstag des Dichters formierten sich "Hölderlins Musen" in der Besetzung Schönwald/Roth/Koenen und besingen ein Jahr später den Ehrentag mit einer Performance zwischen Bass, Stimme und Visuals. Die Nicht-Musiker Schönwald/Roth begegnen sich inmitten szenischer Lesung und gestrichenem Noise. So zeichnen sie unter der Bildregie von Selina Koenen "DIE NYMPHE: MNEMOSYNE:" in einem für die traditionelle Hölderlin-Rezeption eher unüblichen Duktus. Thematisch behandelt diese Vorstellung eine lyrische Dichtung von Friedrich Hölderlin, die uns als vierseitiges Folio-Fragment überliefert ist und handschriftlich mit dem Titel "Die Nymphe. Mnemosyne." überschrieben. Trotz erheblicher Differenzen, die diese Schriftsammlung hinsichtlich Edition und Interpretation bis in unsere Tage hinein bewirkt, ist sich die Hölderlin-Forschung allgemein aber weitestgehend dahin einig, dass diese Verse letztmalig seinen Versuch ausdrücken, Altertum und Gegenwart poetologisch ins Utopische zu verklären, d.h. bevor schicksalshafte Umstände die Poesie des Dichters radikal veränderte und die Produktion polyphoner Lyrik bei ihm nahezu vollständig zu verstummen beginnt. Der Text-Beitrag basiert auf Friedrich Hölderlins handschriftlichen Folio-Heftseiten J18v sowie F90-92 in der Übertragung von Flemming Roland-Jensen. Bis auf eine Korrektur, d.h. ein "Es" wurde von Hölderlin gestrichen und durch "Leicht" ersetzt, sind diese 17 bzw. 18 Verse die einzigen, die im Zusammenhang mit dem Nymphe.Mnemosyne.Fragment vom Dichter, sozusagen, ins Reine geschrieben wurde. Warum gerade diese, dann also quasi 5. Strophe bislang nicht ins Auge der wissenschaftlichen Forschung fiel, ist uns rätselhaft. Wir wundern uns daher, wieso die tradierte Hölderlin-Forschung ständig darauf drängt, vom Wesen der Nymphe abzusehen, wohingegen Mnemosyne - als Mutter der Musen zur Göttin der Erinnerung stilisiert - dem Erlebnis längst verlustig gegangen ist, d.h. die Erinnerung verliert das Ereignis, die körperliche Empfindung, was dem Vergessen zugrunde liegt. Ohne den Brauttag hätte sich nie jene performative Verwandlung vom Wesen der Nymphe hin zur Mutter der Musen vollzogen. Dass der musischen Mutterschaft der göttliche Beischlaf vorausging, wird hierbei muntunter nur allzu gerne unter den Tisch gekehrt, bzw. als sexistisisches Machtwerkzeug häufig übersehen. Beachtenswert in dieser Hinsicht jedoch, warum neben jenen in der Hölderlin-Forschung tradierten Gängen durch die Geschichte und Geschichten der Götter, der Frauen-Name Cäcilia, der zwischen den Zeilen der Früchte-Strophe geschrieben steht, die sich auf demselben Blatt befindet, auf dem Hölderlin die Anzahlsmäßig fünfte Strophe, in unserer Vorstellung: die 4. Strophe verfasst hat; warum also sowohl diese Strophe als auch das Phänomen des Namens Cäcilia, der im Kontrast steht zu den Namen aus der Antike, ohne weiteren Kommentar der Öffentlichkeit vorenthalten wurde?
 

Hölderlins Werk als endogene Selbstbestimmung

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