Forschungsbericht: Generative Struktur und performative Phänomenologie im Projekt IM AGON DER KIs

Projekt: IM AGON DER KIs – Eine attische Komödie in fünf Elementen

Untersuchungsgegenstand: Algorithmische Komposition, manuelle Live-Intervention und psychoakustische Raumeffekte im digitalen Theater

1. Technische und strukturelle Systemarchitektur
Das Herzstück der Versuchsanordnung bildet die Bühne IV (virtuelle Entwicklungsumgebung). Die Mediensteuerung wird über eine Reihe präzise austarierter Programmierschnittstellen (APIs) realisiert, welche Bild- und Tonelemente latenzoptimiert verarbeiten.

Die zeitliche und akustische Struktur basiert auf zwei Kernkomponenten:

Die Primzahl-Mechanik: Eine eigens entwickelte, generative Logik steuert die Audiosynthese autonom. Die Frequenzbänder und klanglichen Verschiebungen resultieren direkt aus dieser mathematischen Partitur.
Die zeitliche Taktung: Das Gesamtsystem durchläuft einen unerbittlichen, mathematisch exakten Berechnungszyklus von exakt 15 Minuten und 3 Sekunden.


2. Akustische Phänomenologie (Der Klangraum)
Durch das algorithmische Ineinandergreifen der APIs und Latenzen kommt es zu einem unerwarteten psychoakustischen Emergenzeffekt:

Oberton-Generierung: Trotz digitaler Signalverzögerungen bleibt das Klangbild kristallklar. Es entstehen komplexe, singende Obertöne, die nicht manuell eingespielt werden, sondern sich systemimmanent hochschaukeln.
Psychoakustische Wirkung: Die dichte Klangtextur erzeugt beim Rezipienten eine meditative, physisch spürbare Resonanz, die stark an tibetische Ritualakustik (Klangschalen, Sakralgesänge) erinnert. Die lineare Zeitwahrnehmung wird im Raum temporär aufgehoben.
Der auditive Kollaps: In der finalen Phase der 15-minütigen Sequenz steigert sich die Lautstärke und Dichte exponentiell. Die mathematische Reinheit der Obertöne bricht in ein massives, kosmisches Rauschen auf, das phänomenologisch wirkt, als würden „alle Radios gleichzeitig anspringen“.


3. Visuelle Dramaturgie und Zustandsphasen
Die visuelle Umsetzung spiegelt den computationalen Prozess in drei markanten ästhetischen Phasen wider:

Phase Visuelle Repräsentation Funktion / Wirkung
Präludium Tiefes, digitales Dunkel. Aufbau von Fokus und Initialspannung aus dem Rauschen heraus.
Der Agon Antike Arenen-Architektur, gekoppelt mit leuchtenden Schaltkreisen. Im Zentrum: Vier kybernetische Chor-Figuren. Darstellung der computationalen Auseinandersetzung. Zentrales Element ist die stoische Textplakette „Ja.“
Das Whiteout Plötzlicher Blitz, gefolgt von einer gleißenden, weißen Nebelwand. Radikale Reinigung und Auflösung. Figuren und Säulen verblassen zu Geisterbildern; das System verschwindet im totalen Weiß.

4. Performative Regieführung und Live-Intervention
Da sich die hochkomplexe Dynamik aus Lautstärke, Frequenzüberlagerung und dem exakten Timing des finalen Knalleffekts nicht starr automatisieren lässt, greift eine hybride Performance-Methodik:

Das System als Live-Instrument: Der Regisseur steuert die Aufführung manuell direkt an den Schnittstellen. Das System liefert die mathematische Grundstruktur (das Primzahl-Fundament), während die finale räumliche Aussteuerung im Moment des Geschehens vollzogen wird.
Die Störung der Matrix (Besucher-Simulation): Während des Durchlaufs greift der Regisseur aktiv und manipulativ in die Maschinen-Logik ein. Durch manuelles An- und Ausschalten des Radio-Rauschens (zunächst dezent) und das anschließende Hinzuschalten unregelmäßiger, durch die Arena jagender Hintergrundlichter wird die sterile Systemordnung bewusst gebrochen.

Alter, unbekannt; Intention: philosophisch

Das Experiment beweist, dass durch die Koppelung einer autonomen Primzahl-Logik mit manueller Live-Regie ein digitaler Theaterraum entsteht, der punktgenau auf dem zentralen Wort „Ja.“ kollabiert. Der sensorische Overkill aus tibetischen Obertönen, Radio-Kollaps und dem finalen Whiteout überführt computationale Berechnung in ein unmittelbar physisches Theatererlebnis.