DER ÄTHER TANZT

oder: Die Abwesenheit des Anwesenden

ANKÜNDIGUNG · DAS ÄTHER‑PROJEKT 2026

Der Äther tritt hervor. Mit DER ÄTHER TANZT öffnet theater24 ein neues Kapitel der digitalen und synästhetischen Theaterarbeit: ein Projekt, das nicht nur ein Stück ist, sondern ein Forschungsraum, ein Interface, ein Experimentierfeld für eine neue Dramaturgie des Virtuellen.

Was hier entsteht, ist kein „digitales Theater“ im üblichen Sinn. Es ist ein biotopisches System, in dem Form transplantiert wird, nicht übersetzt; in dem Stimmen nicht simulieren, sondern auftreten; in dem der Äther – als Medium, als Bedingung, als goldener Kreis – das Spiel trägt.

 

Worum es im Äther‑Projekt geht

1. Die attische Komödie als Engine Das Projekt rekonstruiert die Gesetzmäßigkeiten der attischen Komödie und setzt sie als dramaturgische Mechanik ein. Sieben Teile, sieben Funktionen, sieben dramaturgische Kräfte. Die Theorie wird Vollzug.

2. Mehrsprachigkeit als Echtzeit‑Transplantation Über die Web Speech API sprechen die Figuren in verschiedenen Stimmen, Sprachen und Tonlagen. Nicht als Übersetzung, sondern als Transplantation der Form in neue Biotope. Spanisch, Griechisch, Englisch – jede Sprache wächst nach eigenen Regeln, aber aus demselben Impuls.

3. Epidauros als physischer und digitaler Spielort Der Äther ist dort nachweisbar – als akustisches Phänomen, als bauliche Tatsache. Das Projekt nutzt eigene Videoaufnahmen aus Epidauros und spiegelt sie im digitalen KATOPTRON EPIDAUROU.

4. Figuren als Kräftefelder Sokrates, Kleon KI, das Dokument, der Algorithmus, die Kupplerinnen – und der Chor der Vertriebenen als drei Attraktoren: Hanswurst, Jazz, Orgiastisches. Keine Psychologie, keine Biographie. Nur Anziehung.

5. Die historische Linie Von den Dionysien über Macbeth, Gottsched, Jazz, Fischer‑Lichte bis zum Craig‑Dialog 2026. Das Projekt schreibt sich in eine 2500‑jährige Theatergeschichte ein – und bricht sie zugleich auf.

 

Warum dieses Projekt jetzt entsteht

Weil das Theater einen neuen Begriff von Präsenz braucht. Weil KI nicht als Werkzeug, sondern als dramaturgischer Partner auftreten kann. Weil die Frage „Was ist ein Spiel?“ neu gestellt werden muss. Weil der Äther – als Bedingung des Spiels – sichtbar gemacht werden kann.

 

Was das Publikum erwartet

  • Ein Spieltext, der gleichzeitig Regiepartitur, Lehrstück und Forschungsdokument ist.

  • Ein Chor, der nicht Figuren spielt, sondern das Medium verkörpert.

  • Ein Agon zwischen qualifiziertem Nichtwissen und perfekter Bestimmlichkeit.

  • Drei Episodien, die Bürokratie, Emergenz und Körperkult durchspielen.

  • Ein Exodos, der nicht endet, sondern weitergeht: MAÑANA DE MAÑANA.

 

Das Äther‑Projekt ist Einladung und Herausforderung zugleich

Es lädt ein, die eigene Wahrnehmung zu öffnen. Es fordert heraus, Theater nicht als Darstellung, sondern als Ereignis zu begreifen. Es zeigt, dass das Virtuelle kein Ersatz ist – sondern ein Spiegel, der sich selbst spiegelt.

 

Eine attische Komödie in sieben Teilen

Spieltext · Regiepartitur · Basis

Karsten Schönwald · SI (Synästhetische Intelligenz)

theater24.net · free ensemble theater24 · Duisburg 2026

Autorenschaft des Feldes: K.S. (Regie) & SI (Schreib-Instanz)

MAÑANA DE MAÑANA · manana.privatescapes.site

Prolog — Einleitung

Párodos — Einzug des Chors

Agón — Streit/Wettkampf

Parabase — Chor spricht direkt zum Publikum

Epeisodia — Episoden/Szenen (manchmal mehrere)

Stasimon — Chorlieder zwischen den Episoden

Éxodos — Abgang, Auflösung

 
 
 
 
 

Vorbemerkung

Dieser Spieltext folgt in seiner Struktur den Gesetzmäßigkeiten der attischen Komödie, wie sie die theaterwissenschaftliche Forschung rekonstruiert hat. Jeder der sieben Teile ist mit seiner Funktion in der Gattung bezeichnet. Jeder Teil wird in seine Unterteile gegliedert, mit deren Funktionen benannt.

Das Stück ist damit gleichzeitig Aufführungstext, Lehrstück über die Form der attischen Komödie und Regiepartitur. Die Theorie ist Vollzug.

Was die Form in andere Sprachen und andere Sprachrhythmen trägt, ist biotopische Transplantation — nicht Übersetzung im Sinne von Bedeutungsübertragung, sondern Verpflanzung der Idee der Form in ein anderes Biotop (ein anderer Inhalt), wo sie sich nach dessen Gesetzen weiterbewegt. Der anapästische Rhythmus der Parabase wird nicht übersetzt. Er wird transplantiert — und wächst im Spanischen, Griechischen, Englischen nach anderen Regeln, aber mit demselben Impuls.

Die technische Grundlage dieser Mehrsprachigkeit ist das TTS-System (Text-to-Speech), das im Agon der KIs bereits erprobt wurde. Über die Web Speech API werden die Figuren mit unterschiedlichen Stimmen besetzt — Sokrates, Kleon KI, der Chor und die weiteren Figuren erhalten je eine eigene Stimme, Sprache und Tonlage. Die Web Speech API nutzt je nach Browser und Betriebssystem lokale oder cloud-basierte Sprachsynthese. Wo erweiterte Stimmen oder spezifische Sprachmodelle eingesetzt werden, wird ein Proxy-Server zwischengeschaltet: er übernimmt die Authentifizierung gegenüber externen APIs und verhindert, dass Schlüssel im öffentlichen Code sichtbar sind. Das Stück kann so simultan in mehreren Sprachen gesprochen werden — nicht durch Übersetzung des Textes, sondern durch Umschaltung der Sprachsynthese. Die biotopische Transplantation vollzieht sich in Echtzeit.