Zur digitalen Ontologie 2.0 in der kreativpädagogischen Medienbildung

Synästhetische Intelligenz, performative Regie und die Ökonomie der Eigenleistung am Beispiel des netzwerkartigen Portfolios (u.a. „LEGO goes Roblox“ und performative Schach-Versuchsanordnungen)

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Dieses Beiblatt ordnet die im Anschreiben aufgeworfenen Fragen in den übergeordneten theoretischen und praktischen Rahmen unserer Arbeit ein. Es richtet sich an die Verantwortlichen in Verwaltung, Kultur und Sport, um die unsichtbaren Prämissen moderner, medienübergreifender Kulturpädagogik transparent, begründet und wirtschaftlich verlässlich zu machen.

01. Synästhetische Intelligenz als Gegenentwurf zur synthetischen Datenverarbeitung

  • Der ästhetische Kern: Wenn Verwaltung und Bildungseinrichtungen digitale Formate oder Medienbildung betrachten, reduzieren sie diese allzu oft auf eine rein instrumentelle, kalte synthetische Intelligenz (das Ausrollen von Software, reines Coding oder standardisierte Tool-Nutzung).
  • Die Kunstform als Resonanzraum: Unser Ansatz – ob im Zusammenspiel von haptischem LEGO-Modell und digitalem Game-Design oder in den performativen Raumkonzepten – operiert auf Basis synästhetischer Intelligenz © theater24. Hier werden Wahrnehmungskanäle (Klang, Raum, physische Haptik, visuelle Semiotik und Text) zu einem lebendigen Resonanzraum verknüpft.
  • Der Widerstand des Materials: Im Gegensatz zu virtuell verpuffenden Software-Simulationen arbeitet unsere Praxis mit dem physischen Widerstand des Materials (sei es der Schulhof als performatives Großfeld oder der haptische 3D-Druck). Kunst und Technik verschmelzen zu einem ineinandergreifenden Geflecht aus Körperlichkeit und Code. Eine Verwaltung, die Medienbildung lediglich als „synthetische Tool-Nutzung“ begreift, verfehlt den ästhetischen Kern.

02. Regie im Raum: Prozessuale Ideenfindung statt starrer Verwaltungsschablone

  • Entstehung im Vollzug: Ein lebendiger kreativer Prozess entsteht nie am Reißbrett im Voraus. Die Idee, beispielsweise die physischen Figuren aus der LEGO-AG über den 3D-Drucker so herzustellen, dass sie als kleine Lego-Monster die funktionale Rolle von Schachfiguren übernehmen, entspringt keiner sterilen Theorie. Sie entsteht erst im realen, ästhetischen Erleben vor Ort.
Schach Regel Masterperspektive
  • Funktionale Logik trifft freie Form: Es werden keine langweiligen Standard-Holzschachfiguren gedruckt, sondern kleine Lego-Monster, die passgenau auf den LEGO-Skripts basieren. Sie behalten ihre ureigene Form und Ästhetik, erfüllen aber im spielerischen und regelgebundenen Vollzug exakt die Funktion einer Schachfigur.
Schachregel Animation
  • Schematische Regelanwendung: Das GIF zeigt, wie ein solcher Pferdesprung regelkonform umgesetzt aussehen könnte – als visuelle Entsprechung für die spätere praktische Realisierung.
  • Die Rolle des Regisseurs: Hier agiert der Künstler als Regisseur des Gesamtprozesses: Er sichtet, was an den verschiedenen Standorten an Ressourcen und Material vorhanden ist, verbindet sie im organischen Prozess und entwickelt daraus eine optimierte Inszenierung. Dazu gehört als weitere konkrete Verwendung auch die gezielte Nutzung dieser Vorlagen und digitalen Module, um die spezifischen Schachregeln und visuellen Anordnungen herzustellen und medienübergreifend zu verankern.

03. Das digitale Werk als materielle Vorleistung und wirtschaftlicher Wert

  • Das Problem des „luftleeren Raums“: Digitale Infrastrukturen, Benutzeroberflächen und modulare Systemarchitekturen – wie das von uns in Eigenregie entwickelte Konzept zu The Bricked Labyrinth – fallen nicht als virtuelle Selbstverständlichkeit vom Himmel, sondern sind das Resultat jahrelanger konzeptioneller Forschung und Programmierleistung.
  • Haftung, Crash-Szenarien und unbezahlte Instandsetzung: Wenn im laufenden Kursbetrieb durch technische Fehler oder Fehlbedienungen die im Homeoffice vorbereitete Systeminfrastruktur beschädigt wird, sitzt der Urheber zu Hause und muss den Schaden in Eigenregie beheben. Es bedarf verlässlicher Modelle zur Abbildung dieser Lizenz-, Infrastruktur- und Ausfallkosten.

04. Der performative Schulverbund: Arbeitsteilung, anwendergesteuertes Portfolio & Datenschutz

Ein zeitgemäßes kreativpädagogisches Format lässt sich nicht in den Grenzen eines isolierten Klassenraums oder einer einzelnen OGS einsperren. Das Prinzip der Performativität verlangt nach räumlicher und digitaler Ausdehnung über vier starke Standorte:

Bonifatiusschule & GGS Fleher Straße

Fester Rahmen für die Konzeption, den physischen Entwurf der Figuren (Monster-Angebot) sowie die technische Ausarbeitung und Bereitstellung technischer Ressourcen im direkten, fußläufigen Umfeld.

Beckbusch-Schule (Stockum)

Integrierter Kooperationsstandort im OGS-Bereich für die parallel nachgefragten, praxisorientierten Formate.

Joachim-Neander-Schule

Dient als performativer Resonanzraum, in dem Schüler physische Raumstrukturen auf dem Großfeld-Schachspiel konstruieren und performative Video-Lehrstücke entwickeln.

Zentrale, anwendergesteuerte Portfolio-Maske

Um die verschiedenen Arbeitsstände und Standorte modular zu verwalten, dient eine anwendergesteuerte Portfoliomaske als Schalttableau. Über diese Maske können die Schulen getrennte KI-Stände und Bestände verwalten (während ein Standort an den Monstern und Roblox-Welten arbeitet, bespielt ein anderer die schachspezifischen Konfigurationen).

Datenschutz und Datensicherheit (DSGVO-Konformität)

  • Strikte Anonymisierung: In der zentralen Plattform werden ausschließlich kreative Projektinhalte (3D-Modelle, Monster-Designs, Schach-Szenarien und technische Metadaten) gespeichert. Es findet keinerlei Erfassung oder Speicherung personenbezogener Schülerdaten oder Klarnamen statt.
  • DSGVO-konformes Hosting: Das Hosting erfolgt auf geschützten Servern innerhalb der EU. Bei der Anbindung externer KI-Prozesse wird vertraglich sichergestellt, dass keine Projektdaten zum Training kommerzieller Modelle verwendet werden.
  • Hoheit der Standorte: Die teilnehmenden Schulen behalten über passwortgeschützte Zugänge die vollständige Kontrolle und Verwaltungshoheit über ihre jeweiligen Bestände und Daten.

05. Rechtssicherheit und Planbarkeit

Ähnlich wie bei einer genehmigungspflichtigen Großveranstaltung (bei der Auflagen wie Fluchtwege oder temporäre Aufbauten im Vorfeld abgestimmt werden müssen), erfordert auch die digitale und vernetzte Medienbildung klare, verlässliche Bahnen – weg von wackligen Einzelfall-Entscheidungen, hin zu verlässlichen strukturellen Rahmenbedingungen für alle Beteiligten.

06. Werkcharakter statt Einzelevent

  • Der grundsätzliche Gedanke: Es geht nicht um die Eignung einer Person, sondern um den Werkcharakter der Praxis. Die künstlerische Arbeit hinter theater24 (betrieben seit 2001, mit kontinuierlicher Geschichte seit der groß angelegten Amphitryon-Montage in Erlangen 1991) ist kein Ort, an dem zufällig einzelne Formate entstehen – sie ist ein Gesamtwerk, aus dem die Formate als Werkteile hervorgehen: Stationendrama der Herakles-Montage, die Schlündelgründler (2022) und ihre Fortsetzungen, LEGO/Roblox-Welten, performative Schach-Anordnungen.
  • Der Gegensatz zum einmaligen Event: Die Ästhetik des einmaligen performativen Events (im Sinne Fischer-Lichtes) haftet notwendig am Einzelereignis: Es entsteht, vollzieht sich und vergeht – eine Prüfung pro Event wäre hier folgerichtig, aber eben auch ausreichend. Unser Ansatz steht dazu im bewussten Gegensatz: Das Einzelformat ist Aufführung eines Werks, nicht das Werk selbst. Jedes Format trägt dieselbe künstlerische Handschrift, dieselbe Methodik, denselben Werkzusammenhang – von außen nach innen: Die Situation ist gegeben, aus ihr entsteht der Text, die Szene, der ästhetische Raum.
  • Die Konsequenz für die Verwaltung: Wenn das Einzelformat Werkteil eines kontinuierlichen Gesamtwerks ist, kann die künstlerische Eignung nicht sinnhaft pro Format separat geprüft werden – so wenig wie man die Eignung eines Ensembles pro Vorstellung neu feststellt. Gefordert ist eine Handhabung, die die Eignung am Werk festmacht: einmalig, verlässlich und übergreifend für alle Formate, die aus dieser Kunstproduktionsstätte hervorgehen – ob theaterpädagogisch, medienübergreifend (MINT-Projekte wie „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm?“) oder als performative Spielanordnung (Schach).
„Was ist nun, wenn es zwar dieses Werk, aber es für dieses Werk kein Formular gibt – so wie passenderweise der Chor bereits im Teaser zum Agon der KIs benennt:
‚Und wenn der Äther kommt? Bitte in Formular A-12 eintragen.‘“

07. Das strukturelle Paradoxon der Abrechnungslogik

„Was man nicht abrechnen kann, steht nicht zur Verfügung – und was man nicht zur Verfügung stellt, kann man nicht einsetzen, obwohl man es einsetzen könnte, weil es bereitsteht.“
  • Der konkrete Fall: Die in kompletter Eigenregie entwickelte Master-Maske für The Bricked Labyrinth wäre bei externer Vergabe an eine Agentur mit rund 5.000 Euro zu veranschlagen. Diese Eigenleistung existiert und ist einsatzbereit – sie findet aber in den gängigen Honorar- und Abrechnungsstrukturen keine abbildbare Kategorie.
  • Was abgebildet werden muss: außerunterrichtliche Infrastrukturleistungen, die Bereitstellung selbst entwickelter Software-Tools, Nutzungs- und Lizenzgebühren sowie die wirtschaftlich-rechtliche Absicherung im Rahmen der Honorarstruktur – sauber, transparent und verlässlich, damit die Vorleistung nicht zur unbezahlten Dauerausgabe des Urhebers wird.
  • Der Blick über den Einzelfall: Gefragt sind keine wackligen Einzelfall-Entscheidungen, sondern grundsätzliche Weichenstellungen auf behördlicher Ebene: Wie lassen sich hybride, künstlerisch inspirierte Projekte in bestehende Förderstrukturen integrieren, ohne dass sie durchs Raster fallen?

08. Harte und weiche Ziele: Das Spektrum einer einzigen künstlerischen Handschrift

Das netzwerkartige Portfolio operiert bewusst an beiden Enden des Formatspektrums – und gerade diese Spannung macht die künstlerische Autorschaft sichtbar:

  • Harte Ziele (Technik, System, Regel): Formate wie „LEGO goes Roblox“ und die haptisch-digitalen Welten bilden den harten, technischen Ausgangspunkt unserer Arbeit: Systemarchitektur, Programmierung und präzise räumliche Logik.
  • Das Schachspiel als performatives Bindeglied: Über die bedruckten LEGO-Schachfiguren schlägt das System die Brücke zur Regeldynamik. Hier erhält das Schachspiel aufgrund seiner spezifischen Regeldynamik eine völlig neue Funktion: Es geht nicht mehr um konfrontative Egos oder feindliche Lager (Weiß gegen Schwarz als starre Feindschaft), sondern um das Zusammenspiel von Farben, Kollektiv und Individuum. Die strenge Regellogik öffnet sich zum performativen Raum.
  • Weiche Ziele (Empathie, Gruppe, Lachkultur): Von dort aus führt der Weg direkt zu den scheinbar weichen Zielen wie „Hans im Glück mit der gestohlenen Wurst“: soziales Lernen, Empathiebildung und die feinen Grenzlinien zwischen gemeinsamem Lachen und Ausgrenzung. Rollenspiel und Perspektivwechsel nutzen dieselbe theatrale Handschrift am anderen Ende des Spektrums.
  • Die Konsequenz für die Verwaltung: Hart, regelbasiert und weich sind keine ressortmäßigen Trennlinien, sondern organisch verknüpfte Pole ein und derselben Kunstproduktionsstätte. Eine Handhabung, die nur einen dieser Pole abbilden kann, verfehlt das synergetische Gesamtwerk.

Und man stelle sich vor: Auf dem Schulhof spielen die Kinder nicht Fußball, sondern Schach – weil alle mitspielen können. Das Großfeld-Schachspiel kehrt die übliche Ordnung des Pausenhofs um: Nicht die Schnellsten und Stärksten besetzen das Feld, sondern wer die Regel versteht, führt – Inklusion als ästhetische Anordnung, nicht als pädagogische Verordnung.

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Angaben gemäß § 5 DDG und Landespressegesetz NRW

Karsten Schönwald (V.i.S.d.P.)
Theaterwissenschaftler M.A. · Theaterpädagoge BuT
Fachwirt für Messe- und Eventmanagement
Karl-Jarres-Straße 180 · 47053 Duisburg
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Konzept, Layout und Design

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Inhaber und Künstlerische Leitung: Karsten Schönwald
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