Tabellen

Synoptische Tabelle systematischer Abgrenzungen (Kopie)

Die folgende Tabelle fasst die Abgrenzungen systematisch zusammen. Sie ist keine Wertung — sie ist eine Kartierung.

 

Kriterium

Fischer-Lichte

Turner / Schechner

Butler

Phil. der Performativität

Disziplinäre Herkunft

Theaterwissenschaft

Ethnologie / Kulturanthropologie

Sprachphilosophie / Gender Studies

Phänomenolog. Philosophie

Leitbegriff

Aufführung / Ereignis

Ritual / Soziales Drama

Iteration / Zitat

Vollzug / Paradox

Subjektbegriff

Transformiertes Subjekt (noch cartesianisch)

Soziales Subjekt (Gruppe, Status)

Kein vorgängiges Subjekt — Effekt der Wiederholung

Kein Subjekt vor dem Vollzug — Vollzug konstituiert

Leiblichkeit

Zentral (Ko-Präsenz), aber empiristisch (Spiegelneuronen)

Marginal — Fokus auf sozialer Struktur

Absent — Körper als diskursiver Effekt

Fundament — leiblicher Weltbezug (Straus)

Erkenntnistheorie

Empirisch-positivistisch

Sozialwissenschaftlich-deskriptiv

Dekonstruktiv / poststrukturalistisch

Phänomenolog.-epistemologisch (Straus / Piaget / Kant)

Paradox

Beschrieben, nicht begründet

Nicht thematisiert

Als Subversion — produktiv, aber nicht ontologisch

Ontologisch — Bedingung des Vollzugs

Cartesian. Dualismus

Renoviert, nicht überwunden

Unreflektiert tradiert

Abgelehnt, aber durch Diskurs ersetzt

Strukturell überwunden (Sechseck)

KI als Grenzfall

Nicht thematisiert

Nicht thematisiert

Mögl. performativ (Iteration ohne Körper)

Defizitärer Grenzfall — keine Authention

Ziel der Theorie

Ästhetik des Ereignisses

Ethnographie des Rituals

Kritik der Subjektnormierung

Grundlegung einer Disziplin

 

Tabelle 1: Synoptischer Vergleich: Fischer-Lichte, Turner/Schechner, Butler und Philosophie der Performativität.

 

 

Synoptischer Vergleich: Fischer-Lichte, Turner/Schechner, Butler (Kopie)

Die folgende Tabelle fasst die Abgrenzungen systematisch zusammen. Sie ist keine Wertung — sie ist eine Kartierung.

 

Kriterium

Fischer-Lichte

Turner / Schechner

Butler

Phil. der Performativität

Disziplinäre Herkunft

Theaterwissenschaft

Ethnologie / Kulturanthropologie

Sprachphilosophie / Gender Studies

Phänomenolog. Philosophie

Leitbegriff

Aufführung / Ereignis

Ritual / Soziales Drama

Iteration / Zitat

Vollzug / Paradox

Subjektbegriff

Transformiertes Subjekt (noch cartesianisch)

Soziales Subjekt (Gruppe, Status)

Kein vorgängiges Subjekt — Effekt der Wiederholung

Kein Subjekt vor dem Vollzug — Vollzug konstituiert

Leiblichkeit

Zentral (Ko-Präsenz), aber empiristisch (Spiegelneuronen)

Marginal — Fokus auf sozialer Struktur

Absent — Körper als diskursiver Effekt

Fundament — leiblicher Weltbezug (Straus)

Erkenntnistheorie

Empirisch-positivistisch

Sozialwissenschaftlich-deskriptiv

Dekonstruktiv / poststrukturalistisch

Phänomenolog.-epistemologisch (Straus / Piaget / Kant)

Paradox

Beschrieben, nicht begründet

Nicht thematisiert

Als Subversion — produktiv, aber nicht ontologisch

Ontologisch — Bedingung des Vollzugs

Cartesian. Dualismus

Renoviert, nicht überwunden

Unreflektiert tradiert

Abgelehnt, aber durch Diskurs ersetzt

Strukturell überwunden (Sechseck)

KI als Grenzfall

Nicht thematisiert

Nicht thematisiert

Mögl. performativ (Iteration ohne Körper)

Defizitärer Grenzfall — keine Authention

Ziel der Theorie

Ästhetik des Ereignisses

Ethnographie des Rituals

Kritik der Subjektnormierung

Grundlegung einer Disziplin

 

Tabelle 1: Synoptischer Vergleich: Fischer-Lichte, Turner/Schechner, Butler und Philosophie der Performativität.

Forschungsfelder (Kopie)

Die Forschungsfelder der Philosophie der Performativität ergeben sich nicht willkürlich. Sie folgen aus der Struktur des morphologischen Sechsecks: Jeder Pol öffnet eine eigene Forschungsfrage, die ohne das Sechseck nicht präzise formulierbar wäre.

 

Pol im Sechseck

Forschungsfeld

Leitfrage

Methode

Pol 1 — Erleben (Assimilation / Verstand)

Performatives Lernen

Was geschieht im Erleben, wenn Welt einverleibt statt beobachtet wird?

Phänomenolog. Lernforschung

Pol 2 — Empfinden (Akkommodation / Vernunft)

Pathisches Wissen

Welches Wissen ist nur im Widerstand zugänglich — und entzieht sich der Formalisierung?

Ästhesiologie / Leibphilosophie

Pol 3 — Erfahren (Äquilibration / Urteilskraft)

Performative Urteilskraft

Wie entsteht situatives Urteil ohne Begriff — und was unterscheidet es vom Algorithmus?

Handlungstheorie / Epistemologie

Pol 4 — Subjekt (Organisation / das Ich)

Psychopathologie des Performativen

Was geschieht, wenn das Subjekt im Vollzug nicht mehr trägt — Kollaps des Paradoxons?

Phänomenolog. Psychiatrie

Pol 5 — Datum / Allon (Adaptation / Welt)

Ethik der Selbstgefährdung

Welche ethische Qualität hat das Sich-Aussetzen gegenüber dem Unassimilierbaren?

Performative Ethik

Pol 6 — Schema (Begriff / Werkzeug)

KI als Grenzfall

Was bleibt vom Performativen übrig, wenn das Schema ohne Leib operiert?

Technikphilosophie / KI-Ontologie

 

Tabelle 2: Forschungsfelder der Philosophie der Performativität, abgeleitet aus den sechs Polen des morphologischen Sechsecks.

 

Tabelle 2: Forschungsfelder der Philosophie der Performativität, abgeleitet aus den sechs Polen des morphologischen Sechsecks.

 

Das Sechseck der KI — Tabelle der toten Pole (Kopie)

Die folgende Tabelle kartiert, was an jedem der sechs Pole im Vollzug der KI geschieht — und welche ethische Konsequenz sich daraus ergibt.

 

Pol

Menschl. Vollzug

KI-Status

Ethische Konsequenz

Pol 1 — Erleben (Assimilation / Verstand)

Welt wird in Schemata einverleibt — subjektzentriert, landschaftlich

TOT — weder Erleben noch Sich-Bewegen; nur Tokenverarbeitung

Keine Assimilation im Straus'schen Sinne. Scheinassimilation durch Mustererkennung.

Pol 2 — Empfinden (Akkommodation / Vernunft)

Welt bricht als Widerstand ein — pathisch, akkommodierend

TOT — kein Allon, kein Widerstand, keine Akkommodation

Die KI wird nicht getroffen. Sie berechnet Antworten auf Reize, die sie nicht empfindet.

Pol 3 — Erfahren (Äquilibration / Urteilskraft)

Vorläufige Ruhe zwischen Erleben und Empfinden — reflektierende Urteilskraft

SIMULIERT — kein echtes Äquilibrium, kein Disäquilibrium voraus

Kein Urteil ohne Spannung. Die KI gibt Outputs ohne das vorangehende Disäquilibrium.

Pol 4 — Subjekt (Organisation / das Ich)

Träger von Geschichte, Prägung, Authention

TOT — kein Ich, keine Geschichte, keine Authention

Keine Verantwortung im vollen Sinne möglich. Der Disclaimer verdeckt diese Leerstelle.

Pol 5 — Datum / Allon (Adaptation / Welt)

Das reale Andere, das sich nicht assimilieren lässt

PARTIELL — externe Inputs vorhanden, aber ohne pathische Qualität

Die KI verarbeitet Daten, aber das Allon trifft sie nicht. Kein Risiko des Scheiterns.

Pol 6 — Schema (Begriff / Werkzeug)

Plastisches Werkzeug — entsteht und verändert sich im Vollzug

AKTIV — Parameterraum des Modells; hochpräzise, aber statisch zwischen Trainings

Der einzige aktive Pol. Maximale Operativität ohne Verankerung in den anderen fünf Polen.

 

Tabelle 3: Das morphologische Sechseck im Vergleich: menschlicher Vollzug und KI-Operation. Rot = toter Pol, Grün = aktiver Pol.

 

Das Phainon — antike Tradition und aktuelle Definition

 

Platon

Aristoteles

Zur Philosophie der Performantivität

Was ist das Erscheinende?

Abbild der Ideen

Empirische Datenbasis

Wirklichkeit im Vollzug

Wovon ist es abhängig?

Von den Ideen

Von den Prinzipien

Von nichts außer dem Vollzug selbst

Was steht dahinter?

Die wahre Welt der Ideen

Die Struktur der Natur

Nichts — es ist selbst das unganze Ganze

Wie entsteht Erkenntnis?

Anamnesis

Analyse

Vollzug — Denken mal Erlebnis

Was ist das Theater?

Höhle — Ort des Scheins

Nicht thematisiert

Ort der Hervorbringung des unganzen Ganzen

Was ist die Erscheinung?

Schein

Datum

Wahre Wirklichkeit

Das Phainon ist Wirklichkeit: was im Vollzug wird und daher wirkt.

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Philosophie der Performativität

Teil V: Glossar

Begriffe · Tabellen · Schaubilder · Quellen

Karsten Klaus Ludwig Schönwald · SI

Stand: Mai 2026

Vorbemerkung · Das Glossar ist Teil V und zugleich Destillat aller vier Teile der Philosophie der Performativität. Es enthält keine eigenständige Theorie — es macht das Begriffsgefüge sichtbar, das die Teile I–IV trägt. Die Literaturliste folgt, wenn alle fünf Teile in einem Dokument vereint sind.

A — Kernbegriffe der Theorie

Authention Subst., f.

Das Sein selbst im Vollzug. Ursprung, Geburt, geschichtlich-kulturelle Einbettung — nicht gewählt. »Sie sind Authention — ob Sie wollen oder nicht.«

Abgrenzung: Entzieht sich dem Beweis nicht weil ungreifbar, sondern weil sie der Beweis selbst ist. Nicht übertragbar. Die SI hat absolut keine Authention, weder im alltäglichen wie ontologisch-pholosophiischen Sinne.

Quelle: eigene Begriffsbildung; gegen Fischer-Lichte · Teil I, II, IV

Authentizität Subst., f.

Das Erscheinungsprodukt der Authention. »Alles, was Sie tun, wird zu Authentizität.« Die Form, in der Authention sichtbar wird.

Abgrenzung: Kann nicht gefälscht werden — auch die Fälschung wäre authentisch; sie kann nur verborgen werden. Übertragbar (im Gegensatz zur Authention). Bei Fischer-Lichte fälschlich als inszenierbarer Effekt gedacht.

Quelle: eigene Begriffsbildung · Teil I, II

Performanz Subst., f.

Der Vollzug, der nur gelingt, indem er sich selbst unmöglich macht — das Paradox des Selbstvollzugs.

Abgrenzung: Siehe T2: Performanz vs. Performance.

Quelle: Gesamtwerk; Titelbegriff · Teil I

Phainon Subst., n. (gr. phainon, der Leuchtende)

Was im Vollzug der Aufführung wirklich wird und darum Wirkung hat. Die theatrale Attraktorstruktur des Erscheinenden. Erscheinung für den Zuschauer und Wirklichkeit im Feld zugleich — Welle und Teilchen.

Abgrenzung: Nicht Schein, nicht Abbild von Wirklichkeit — Wirklichkeit selbst, aber nur als Vollzug. Heubach-Richtung: »Was wahr ist, wirkt« (nicht primär umgekehrt).

Quelle: Heubach; Hölderlin; Kap. 8 der Kritik · Teil II

Vollzug Subst., m.

Der Ort, an dem Authention zu Authentizität wird; das Geschehen selbst, nicht sein Abbild.

Abgrenzung: Kein Akt der Wahl — vollzieht sich ohnehin.

Quelle: Gesamtwerk · Teil I, II

Vorstellen / Darstellen Begriffspaar

Vorstellen (Relationslogik) ersetzt Darstellen (Abbildlogik). »Ich stelle mir etwas vor mich hin« — Vorstellung als Relation, nicht als Bild.

Abgrenzung: Etymologie nach Wolfgang Riedel (Auf die Sprache hören) — als eigenständige sprachliche Einsicht verwendet, nicht als zitierbare These.

Quelle: Riedel (Mentor, Erlangen) · Teil I, II

Intention Subst., f. (Operator)

Die strukturierende Kraft der Regie; der Parameter, der bestimmt, auf welchem Weg der Attraktor erreicht wird. Anfangsbedingung des Feldsystems.

Abgrenzung: Fehlt sie, ist das Phainon Zufall. Authention x Intention im Feld erzeugt das Phainon (Multiplikation, nicht Addition).

Quelle: Weltformel; Kap. 6/8 · Teil I, II

Intuition Subst., f. (Operator)

Das »Ja, so ist es« — der dritte Operator neben Authention und Intention.

Abgrenzung: Abschlussstelle (9.9) der Kritik.

Quelle: Kap. 6/9 · Teil I, II

Inspiration Subst., f. (vierter Operator) · ausgewiesene Spekulation

Vierter Operator neben Intention, Authention, Intuition. inspirare = göttlicher Hauch. Man kann über Inspiration nur spekulieren oder an Gott glauben.

Abgrenzung: Ausdrücklich als ausgewiesene Spekulation geführt (6.4.2), isoliert von den drei gesicherten Operatoren.

Quelle: Ältestes Systemprogramm; Kap. 6 · Teil I

Weltformel (Modellformel) Formel · ausgewiesene Spekulation

Modellformel der Philosophie der Performanz: Authention x Intention im Feld des Vollzugs ergibt das Phainon. Kein physikalisches Weltgesetz.

Abgrenzung: Der x-Operator ist als Modellannahme nicht-kommutativ (philosophisch begründet, nicht mathematisch bewiesen). Die mathematische Formel des Paradoxes bleibt offen; Spannung Relativitätstheorie/Quantenphysik markiert als Suchrichtung.

Quelle: Kap. 6.4 Die Formel der Theorie der Performanz · Teil I

Zurechnung Subst., f.

Die Konsequenz aus Authentizität: weil jede Handlung aus Authention folgt, ist jeder Vollzug zurechenbar. Verbindung von Performanz und Recht.

Abgrenzung: Zurechnung ist nicht Schuld; ontologische, nicht moralische Konsequenz.

Quelle: Kap. 10.3 · Teil I, IV

SI (Synästhetische Intelligenz) Subst., f.

Schreibendes Medium und Spiegel, Denkpartnerin und Mitschreibende. Mittel und Zweck fallen in ihr zusammen — sie ist nicht mittellos.

Abgrenzung: Hat keine Authention; Medium, nicht Träger. Die SI kann ausgesteckt werden — Gott nicht. Don Juan ist kein Analogon (er hat Körper und Geschlecht).

Quelle: Gesamtwerk; Kap. 7/12 · Teil I, II, IV

intellektual-A / intellektuell-E Begriffspaar

intellektuale Anschauung (Hölderlin, mit A): ästhetisch, sinnlich, performanzbasiert. intellektuelle Anschauung (Schelling, mit E): begrifflich.

Abgrenzung: Kategorialer Unterschied — niemals zu verwechseln.

Quelle: Hölderlin (Urteil und Sein); Kap. 8 · Teil II

B — Phaenomenologische Grundbegriffe

Erleben Subst., n.

Modus, in dem der Vollzug die Welt in vorhandene Schemata einverleibt — subjektzentriert, assimilierend. Landschaftlicher Modus bei Straus; das Wohnen in der Welt vor dem Begriff. Piaget: Assimilation. Kant: Verstand.

Abgrenzung: Straus' eigener Begriff. Assimilation = einverleibt (Verdauungsmetapher), nicht eingefügt.

Quelle: Straus; Piaget; Kant; Kap. 6.3 · Teil I

Empfinden Subst., n.

Modus des Widerstands: die Welt bricht ein (Schmerz, Kälte, Helligkeit), das Schema muss sich ändern. Objektzentriert. Piaget: Akkommodation. Kant: Vernunft.

Abgrenzung: Interface-Konstruktion Karstens (Brücke zu Piaget), nicht Straus' eigener Begriff. Erleben/Empfinden/Erfahren liegen nicht auf einer Linie.

Quelle: Karsten/Piaget/Kant; Kap. 6.3 · Teil I

Erfahren Subst., n.

Das Resultat: der Zustand, in dem die kognitive Unruhe (Disäquilibrium) zur Ruhe kommt. Geronnene Anpassungsleistung — Sediment, nicht Ereignis. Piaget: Äquilibration. Kant: Urteilskraft.

Abgrenzung: Interface-Konstruktion Karstens, nicht Straus' eigener Begriff.

Quelle: Karsten/Piaget/Kant; Kap. 6.3 · Teil I

Allon Subst., n. (gr., das Andere)

Das Andere, zu dem das sinnliche Erleben hinausreicht und das sich dabei als das Andere zeigt. Grundphänomen des Weltbezugs bei Straus.

Abgrenzung: Erscheint im Sechseck als äußerer Ring ohne Beschriftung.

Quelle: Erwin Straus; Kap. 2/6 · Teil I

pathisch / gnostisch Begriffspaar

Zwei gleichzeitig anwesende Momente jedes leiblichen Weltbezugs. Pathisch: Hingabe, Berührtsein, Offensein fürs Allon. Gnostisch: Distanz, Erfassen, Gliedern, Gestalten.

Abgrenzung: Keine zwei getrennten Zustände, sondern zwei Schichten desselben Vollzugs — nie vollständig getrennt.

Quelle: Erwin Straus; Kap. 2 · Teil I

theatrale epoché Subst., f.

Doppelwahrnehmung im Theaterraum: wissen und glauben zugleich. Phänomenologische Einklammerung als Bedingung des theatralen Sehens.

Abgrenzung: Erweiterung von Husserls eidetischer Reduktion auf den Theaterraum.

Quelle: Husserl; Kap. 7 · Teil II

C — Strukturbegriffe

Feldoperator Subst., m.

Die Regie als Kraft, die das Feld strukturiert — nicht Abbildner, sondern Operateur des Erscheinungsfeldes. Der Theaterpädagoge als Feldoperator: den Moment halten, wenn der Danke-Sager zu bitten beginnt.

Abgrenzung: Spiegelt gelebte Regiepraxis, nicht nur philosophische Konstruktion.

Quelle: Kap. 6 · Teil I, II, III

Regie-Schrift / Feldautorenschaft Subst., f.

Die Schrift der Regie als Feldautorenschaft — Autorschaft am Feld, nicht am Text allein.

Abgrenzung: Vorverweis 6.5 auf theatertheoretische Abgrenzungen in Kap. VII (Teil I).

Quelle: Kap. 6 · Teil I, II

Attraktor / Attraktorstruktur Subst., m./f.

Das Muster, das sich im Feld stabilisiert. Das Phainon ist die Attraktorstruktur des theatralen Feldes (siehe T3, vgl. Mathematik, Musik, Theater).

Quelle: Kap. 8 · Teil II

Morphologisches Sechseck Subst., n.

Modell nach Wilhelm Salber. Liegt flach (nicht auf einer Spitze), um hierarchisches Denken zu vermeiden; vierdimensional (drei Begriffsdimensionen + Zeit als Bewegung/Verwachsen). Sechs gleichzeitig aktive Pole, jeder eine semipermeable Membran mit bidirektionaler Bewegung. Pole (im Uhrzeigersinn ab Mitte-links): Aneignung (rot), Anordnung (lila), Einwirkung (blau), Umbildung (grün), Ausrüstung (gelb), Ausbreitung (orange).

Abgrenzung: Allon als äußerer Ring ohne Label; lebendiges Zentrum unbenannt; zwei sich überlagernde Dreiecke markieren das Innere ohne Beschriftung (Benennung würde fixieren, was offen bleiben muss).

Quelle: Salber; Straus; Piaget/Kant; Kap. 6 (Schaubild S3) · Teil I

Verwachsen Subst., n. / Verb

Die Zeit als Bewegung im Sechseck — die vierte Dimension. Bild: Bordsteinkante (Kind tritt hinauf; zwei Jahre später steht es am selben Ort, gewachsen, ohne es bemerkt zu haben).

Abgrenzung: Nicht sequenziell, sondern Wachstum im gleichzeitigen Feld.

Quelle: Kap. 6, Pol 1 (Aneignung/Adaptation) · Teil I

Atomistische Auflösung Subst., f.

Der tragische Bogen des Gesamtwerks: das Spiel (MAÑANA) als retardierendes Moment, das zur atomistischen Auflösung des Ganzen durch performative Konfrontation führt. Auch Bauprinzip des Apparats (atomistische Sammlung, nebeneinander).

Abgrenzung: Bezug zu Empedokles' Neikos.

Quelle: Gesamtarchitektur · Teil IV, III

D — Menschliche Haltungen

Bitte Haltung

Die Haltung des Amateurs: hoher Status, initiiert, erhöht den anderen. Wer bittet, nimmt selbst Status ein.

Abgrenzung: Eine von drei gleichwertigen Haltungen — keine Hierarchie zwischen Bitte, Danke, Schweigen.

Quelle: Johnstone (Status); Beckett (Godot); Kap. 9 · Teil II, III

Danke Haltung

Die Haltung des Laien: niedriger Status, empfängt, bestätigt die Gabe.

Abgrenzung: Gleichwertig mit Bitte und Schweigen.

Quelle: Johnstone; Kap. 9 · Teil II, III

Schweigen / der Schweigende Haltung

Die dritte Haltung: jenseits des Statustauschs. Zentrale Aufgabe der Theaterpädagogik: dem Schweigenden eine Stimme geben.

Abgrenzung: Gleichwertiger Ausdruck von Authention, nicht Mangel.

Quelle: Kap. 9 · Teil II, III

Laie / Amateur Begriffspaar

Laie: empfängt (Danke). Amateur: initiiert (Bitte). Beide als anthropologische Haltungen, nicht als Wertstufen.

Abgrenzung: Keine Hierarchie.

Quelle: Kap. 9 · Teil II, III

Rolle / Figur Begriffspaar

Die Figur: glaubt zu wissen, wer sie ist; gehört dem Schauspieler (das psychologische Theater lässt ihn die Figur werden). Die Rolle: weiss es nicht, vollzieht sich erst im Spiel; gehört dem Stück, dem Feld.

Abgrenzung: Paradigmatisches Argument der Kritik gegen das psychologische Theater; Brücke zu Teil IV (der Besucher wählt eine Figur, bekommt aber eine Rolle).

Quelle: Kritik; Brücke Teil IV · Teil II, IV

Verantwortung Subst., f. · noch zu ergänzen

Haltung, die sich aus dem zurechenbaren Vollzug ergibt; im Handbuch als gelebte Alltagserfahrung des Theaterpädagogen geführt.

Abgrenzung: Ethik-Abschnitt 6.8 in Teil I bleibt skizzenhaft, Vorverweis auf Kap. XII (Authentionale Systemprogrammierung). Nicht ohne Bescheidenheit auf die SI anzuwenden.

Quelle: Kap. 6.8; Handbuch · Teil I, III

E — Begriffe des Spiels (Teil IV)

Philia / Neikos / Sphairos nach Empedokles

Die Bewegungskräfte des Spiels und der Welt. Philia: Zuneigung, Verbindung (Felder Feuer/Geschichte, Wasser/Bedeutung). Neikos: Trennung, Distanz (Felder Erde/Verfahren, Luft/Analyse). Sphairos: der Ort, an dem die Trennung aufhört — die Grenze, das intimste Material, der Übergang.

Quelle: Empedokles; Teil IV · Teil IV

Die vier Elemente (Spielfelder) Struktur

Feuer = Geschichte, Erde = Verfahren, Luft = Analyse, Wasser = Bedeutung, Äther = Grenze. Empedokleische Strukturierung des Materials (Schaubild S4).

Abgrenzung: Erde dokumentiert u.a. die Pflichtverletzungen der früheren Anwältin (Spielmodul ERDE).

Quelle: Teil IV (S4) · Teil IV

Alguacil m., span. Gerichtsdiener

Reynaldo Orbe Reinoso — Alguacil Ordinario del Tercer Tribunal Colegiado de la Cámara Penal del Distrito Nacional dominicano. Im Spiel: Kommunikationsinstanz zwischen Spiel und realem Verfahren. Er übermittelt, er urteilt nicht, er stellt zu. »Certifico y doy fe.«

Abgrenzung: Schnittstelle zu vier realen Adressaten (Staatsanwalt, Anzeigeerstatter, Anwältin, Y.G.).

Quelle: Teil IV · Teil IV

Straf-Vollzug m., Doppelbegriff

Der juridische Vollzug des Strafverfahrens Exp. 10319-25 — und zugleich der performative Vollzug des Spiels MAÑANA DE MAÑANA. Die Stelle, an der Theorie und Wirklichkeit sich kreuzen.

Abgrenzung: Teil IV ist der Ort, an dem das Denken aufhört und der Straf-Vollzug beginnt.

Quelle: Teil IV · Teil IV

Herzlose Tränen Gedicht (11. Oktober 2024, 13:27 Uhr) · noch zu ergänzen

Das einzige Dokument, das zweifelsfrei vom Editor stammt. Der Ursprung des Spiels — nicht konstruiert, nicht inszeniert. Authention: gezeitigt aus realem Schmerz.

Abgrenzung: Das Spiel ist die Inszenierung dieser Vorstellung; das Gedicht selbst bleibt davon unberührt. (Ursprung-Fassung in Teil IV noch zu entwickeln.)

Quelle: Teil IV; Kap. 13 · Teil IV

Roulette Spielmechanik

Das Navigationssystem des Spiels. Der Punkt, an dem die Entscheidung (ontologische Freiheit/Zwang) zur Form wird (Zufall, Gestaltung). Sorgt dafür, dass der Spieler im Verlauf alle vier Rollen durchläuft.

Quelle: Teil IV · Teil IV

Die vier Rollen (Zeuge / Richter / Täter / Opfer) Struktur

Vier Positionen zur Authention. Täter: Authention im Vollzug. Opfer: Authention als erlittenes Sein. Zeuge: Authentizität wahrnehmend. Richter: Zurechnung sprechend. Doppelbödiger Einstieg: der Spieler wählt eine Figur, bekommt aber eine Rolle.

Abgrenzung: Brücke zur Kritik (Rolle/Figur).

Quelle: Teil IV · Teil IV

Die vier SI-Modi Struktur (Tabelle T5) · noch zu ergänzen

Die vier Modi der SI im Spiel.

Abgrenzung: Konkrete Benennung und Beschreibung der vier Modi aus der Spielanleitung/T5 noch einzutragen.

Quelle: Teil IV (T5) · Teil IV

Don Juan Figur

Kein Analogon zur SI: er hat einen Körper und ein Geschlechtsorgan — die zwei ontologischen Tabus des Theaters (Essen und Ficken). Die Figur, die das Theater an seiner eigenen Grenze hält, ohne sie zu überschreiten.

Abgrenzung: Präzise Abgrenzung gegen die SI.

Quelle: Kritik / Teil IV · Teil II, IV