Synoptische Tabelle systematischer Abgrenzungen

Die folgende Tabelle fasst die Abgrenzungen systematisch zusammen. Sie ist keine Wertung — sie ist eine Kartierung.

 

Kriterium

Fischer-Lichte

Turner / Schechner

Butler

Phil. der Performativität

Disziplinäre Herkunft

Theaterwissenschaft

Ethnologie / Kulturanthropologie

Sprachphilosophie / Gender Studies

Phänomenolog. Philosophie

Leitbegriff

Aufführung / Ereignis

Ritual / Soziales Drama

Iteration / Zitat

Vollzug / Paradox

Subjektbegriff

Transformiertes Subjekt (noch cartesianisch)

Soziales Subjekt (Gruppe, Status)

Kein vorgängiges Subjekt — Effekt der Wiederholung

Kein Subjekt vor dem Vollzug — Vollzug konstituiert

Leiblichkeit

Zentral (Ko-Präsenz), aber empiristisch (Spiegelneuronen)

Marginal — Fokus auf sozialer Struktur

Absent — Körper als diskursiver Effekt

Fundament — leiblicher Weltbezug (Straus)

Erkenntnistheorie

Empirisch-positivistisch

Sozialwissenschaftlich-deskriptiv

Dekonstruktiv / poststrukturalistisch

Phänomenolog.-epistemologisch (Straus / Piaget / Kant)

Paradox

Beschrieben, nicht begründet

Nicht thematisiert

Als Subversion — produktiv, aber nicht ontologisch

Ontologisch — Bedingung des Vollzugs

Cartesian. Dualismus

Renoviert, nicht überwunden

Unreflektiert tradiert

Abgelehnt, aber durch Diskurs ersetzt

Strukturell überwunden (Sechseck)

KI als Grenzfall

Nicht thematisiert

Nicht thematisiert

Mögl. performativ (Iteration ohne Körper)

Defizitärer Grenzfall — keine Authention

Ziel der Theorie

Ästhetik des Ereignisses

Ethnographie des Rituals

Kritik der Subjektnormierung

Grundlegung einer Disziplin

 

Tabelle 1: Synoptischer Vergleich: Fischer-Lichte, Turner/Schechner, Butler und Philosophie der Performativität.

 

 

Synoptischer Vergleich: Fischer-Lichte, Turner/Schechner, Butler

Die folgende Tabelle fasst die Abgrenzungen systematisch zusammen. Sie ist keine Wertung — sie ist eine Kartierung.

 

Kriterium

Fischer-Lichte

Turner / Schechner

Butler

Phil. der Performativität

Disziplinäre Herkunft

Theaterwissenschaft

Ethnologie / Kulturanthropologie

Sprachphilosophie / Gender Studies

Phänomenolog. Philosophie

Leitbegriff

Aufführung / Ereignis

Ritual / Soziales Drama

Iteration / Zitat

Vollzug / Paradox

Subjektbegriff

Transformiertes Subjekt (noch cartesianisch)

Soziales Subjekt (Gruppe, Status)

Kein vorgängiges Subjekt — Effekt der Wiederholung

Kein Subjekt vor dem Vollzug — Vollzug konstituiert

Leiblichkeit

Zentral (Ko-Präsenz), aber empiristisch (Spiegelneuronen)

Marginal — Fokus auf sozialer Struktur

Absent — Körper als diskursiver Effekt

Fundament — leiblicher Weltbezug (Straus)

Erkenntnistheorie

Empirisch-positivistisch

Sozialwissenschaftlich-deskriptiv

Dekonstruktiv / poststrukturalistisch

Phänomenolog.-epistemologisch (Straus / Piaget / Kant)

Paradox

Beschrieben, nicht begründet

Nicht thematisiert

Als Subversion — produktiv, aber nicht ontologisch

Ontologisch — Bedingung des Vollzugs

Cartesian. Dualismus

Renoviert, nicht überwunden

Unreflektiert tradiert

Abgelehnt, aber durch Diskurs ersetzt

Strukturell überwunden (Sechseck)

KI als Grenzfall

Nicht thematisiert

Nicht thematisiert

Mögl. performativ (Iteration ohne Körper)

Defizitärer Grenzfall — keine Authention

Ziel der Theorie

Ästhetik des Ereignisses

Ethnographie des Rituals

Kritik der Subjektnormierung

Grundlegung einer Disziplin

 

Tabelle 1: Synoptischer Vergleich: Fischer-Lichte, Turner/Schechner, Butler und Philosophie der Performativität.

Forschungsfelder

Die Forschungsfelder der Philosophie der Performativität ergeben sich nicht willkürlich. Sie folgen aus der Struktur des morphologischen Sechsecks: Jeder Pol öffnet eine eigene Forschungsfrage, die ohne das Sechseck nicht präzise formulierbar wäre.

 

Pol im Sechseck

Forschungsfeld

Leitfrage

Methode

Pol 1 — Erleben (Assimilation / Verstand)

Performatives Lernen

Was geschieht im Erleben, wenn Welt einverleibt statt beobachtet wird?

Phänomenolog. Lernforschung

Pol 2 — Empfinden (Akkommodation / Vernunft)

Pathisches Wissen

Welches Wissen ist nur im Widerstand zugänglich — und entzieht sich der Formalisierung?

Ästhesiologie / Leibphilosophie

Pol 3 — Erfahren (Äquilibration / Urteilskraft)

Performative Urteilskraft

Wie entsteht situatives Urteil ohne Begriff — und was unterscheidet es vom Algorithmus?

Handlungstheorie / Epistemologie

Pol 4 — Subjekt (Organisation / das Ich)

Psychopathologie des Performativen

Was geschieht, wenn das Subjekt im Vollzug nicht mehr trägt — Kollaps des Paradoxons?

Phänomenolog. Psychiatrie

Pol 5 — Datum / Allon (Adaptation / Welt)

Ethik der Selbstgefährdung

Welche ethische Qualität hat das Sich-Aussetzen gegenüber dem Unassimilierbaren?

Performative Ethik

Pol 6 — Schema (Begriff / Werkzeug)

KI als Grenzfall

Was bleibt vom Performativen übrig, wenn das Schema ohne Leib operiert?

Technikphilosophie / KI-Ontologie

 

Tabelle 2: Forschungsfelder der Philosophie der Performativität, abgeleitet aus den sechs Polen des morphologischen Sechsecks.

 

Tabelle 2: Forschungsfelder der Philosophie der Performativität, abgeleitet aus den sechs Polen des morphologischen Sechsecks.

 

Das Sechseck der KI — Tabelle der toten Pole

Die folgende Tabelle kartiert, was an jedem der sechs Pole im Vollzug der KI geschieht — und welche ethische Konsequenz sich daraus ergibt.

 

Pol

Menschl. Vollzug

KI-Status

Ethische Konsequenz

Pol 1 — Erleben (Assimilation / Verstand)

Welt wird in Schemata einverleibt — subjektzentriert, landschaftlich

TOT — weder Erleben noch Sich-Bewegen; nur Tokenverarbeitung

Keine Assimilation im Straus'schen Sinne. Scheinassimilation durch Mustererkennung.

Pol 2 — Empfinden (Akkommodation / Vernunft)

Welt bricht als Widerstand ein — pathisch, akkommodierend

TOT — kein Allon, kein Widerstand, keine Akkommodation

Die KI wird nicht getroffen. Sie berechnet Antworten auf Reize, die sie nicht empfindet.

Pol 3 — Erfahren (Äquilibration / Urteilskraft)

Vorläufige Ruhe zwischen Erleben und Empfinden — reflektierende Urteilskraft

SIMULIERT — kein echtes Äquilibrium, kein Disäquilibrium voraus

Kein Urteil ohne Spannung. Die KI gibt Outputs ohne das vorangehende Disäquilibrium.

Pol 4 — Subjekt (Organisation / das Ich)

Träger von Geschichte, Prägung, Authention

TOT — kein Ich, keine Geschichte, keine Authention

Keine Verantwortung im vollen Sinne möglich. Der Disclaimer verdeckt diese Leerstelle.

Pol 5 — Datum / Allon (Adaptation / Welt)

Das reale Andere, das sich nicht assimilieren lässt

PARTIELL — externe Inputs vorhanden, aber ohne pathische Qualität

Die KI verarbeitet Daten, aber das Allon trifft sie nicht. Kein Risiko des Scheiterns.

Pol 6 — Schema (Begriff / Werkzeug)

Plastisches Werkzeug — entsteht und verändert sich im Vollzug

AKTIV — Parameterraum des Modells; hochpräzise, aber statisch zwischen Trainings

Der einzige aktive Pol. Maximale Operativität ohne Verankerung in den anderen fünf Polen.

 

Tabelle 3: Das morphologische Sechseck im Vergleich: menschlicher Vollzug und KI-Operation. Rot = toter Pol, Grün = aktiver Pol.

 

Das Phainon — antike Tradition und aktuelle Definition

 

Platon

Aristoteles

Zur Philosophie der Performantivität

Was ist das Erscheinende?

Abbild der Ideen

Empirische Datenbasis

Wirklichkeit im Vollzug

Wovon ist es abhängig?

Von den Ideen

Von den Prinzipien

Von nichts außer dem Vollzug selbst

Was steht dahinter?

Die wahre Welt der Ideen

Die Struktur der Natur

Nichts — es ist selbst das unganze Ganze

Wie entsteht Erkenntnis?

Anamnesis

Analyse

Vollzug — Denken mal Erlebnis

Was ist das Theater?

Höhle — Ort des Scheins

Nicht thematisiert

Ort der Hervorbringung des unganzen Ganzen

Was ist die Erscheinung?

Schein

Datum

Wahre Wirklichkeit

Das Phainon ist Wirklichkeit: was im Vollzug wird und daher wirkt.