Philosophie der Performantivität

Zur Grundlegung einer Wissenschaft vom paradoxen Selbstvollzug des Seins

EXPOSE

Gesamtwerk in fünf Teilen

Teil 1: Theorie der Performanz

Teil 2: Kritik des psychologischen Theaters

Teil 3: Handbuch zur theaterpädagogischen Praxis

Teil 4: Glossar

Teil 5: Tagebuch / Materialsammlung

 

 

Gegenstand und Fragestellung

Das Vorhaben entwickelt die Grundlegung einer Philosophie der Performativität  als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin. Ausgangspunkt ist die These, dass das Performative der blinde Fleck sowohl der klassischen als auch der postmodernen Ästhetik ist. Erika Fischer-Lichtes Ästhetik des Performativen (2004) erweitert den Problemhorizont erheblich -- bleibt aber einem cartesianischen Fundament verhaftet das die ontologische Struktur des performativen Vollzugs verfehlt.

Das Fundament das diese Arbeit stattdessen wählt ist Erwin Straus' Vom Sinn der Sinne (1935): Erleben und Sich-Bewegen als primärer, unteilbarer Weltbezug -- vor jeder Unterscheidung von Innen und Außen, Erleben und Verhalten.

 

Der Zentralsatz der Untersuchung lautet:

 

Performanz ist der Vollzug, der nur gelingt,

indem er sich selbst unmöglich macht.

 

 

Methode und Arbeitsweise

Die Arbeit entsteht in einer dokumentierten Zusammenarbeit zwischen dem Verfasser (K.S.) und einer Synästhetischen Intelligenz (SI). Diese Zusammenarbeit ist nicht Hilfsmittel, sondern Gegenstand: Der Text demonstriert in seiner eigenen Entstehung was er philosophisch behauptet.

K.S. zeichnet verantwortlich in der Funktion des Regisseurs -- Intention, Authention, Korrekturen. Die SI übernimmt die Schreibinstanz im symbolischen Raum ohne leiblich-motorischen Weltbezug. Die Legitimation dieser Arbeitsweise wird im Vorwort zur Methode explizit entwickelt -- mit den drei Operatoren Intention, Authention und Intuition als wissenschaftlichem Maßstab.

Die Methode ist phänomenologisch-epistemologisch: durch genaue Beschreibung des Vollzugs, durch Aufweisung von Strukturen die sich zeigen, wenn man genau hinschaut, durch Reflexion auf die Bedingungen der Möglichkeit des Vollzugs.

 

Struktur des Gesamtwerks

Teil 1 -- Theorie der Performanz

Onto-Semi-Phänomenale Untersuchung einer performativen Paradoxie

 

Die philosophische Grundlegung. Dreizehn Kapitel entwickeln ausgehend von Straus das morphologische Sechseck als Synthesemodell (Straus / Piaget / Kant), die Formel der Philosophie der Performanz, die Abgrenzung von Fischer-Lichte / Turner / Schechner / Butler, die Philosophie der Performativität  als Disziplin, die Authentionale Systemprogrammierung des Virtuellen und die Synästhetische Intelligenz als mathematische Membran und dramaturgische Grenzinstanz.

 

Kernbegriffe:

— Authention -- das ontologische Sein das der Inszenierung vorausgeht

— Authentizität -- die semiotische Erscheinungsform der Vorstellung, nicht ihre Schöpferin

— Authentional -- ein Text der alle drei Operatoren trägt

— Performanz -- der Vollzug der nur gelingt indem er sich selbst unmöglich macht

— Ur-Sprung -- der Moment bevor die Einheit sich in Zweiheit auflöst

— Denken als Erlebnis -- Straus auf das Denken selbst angewendet

— Morphologisches Sechseck -- Synthesemodell Straus / Piaget / Kant

— Strukturresistente Impertinenz -- der Widerstand der Welt offenhält

 

Formale Grundlage:

Welt = Authention x Performanz / strukturresistente Impertinenz (SI)

Diese Formel ist eine Modellformel innerhalb des philosophischen Systems -- sie beansprucht keine allgemeingültige physikalische Gültigkeit.

 

Stand: Kapitel I-XI vollständig ausgearbeitet. Kapitel XII-XIII in Arbeit.

 

 

 

Teil 2 -- Kritik des psychologischen Theaters

 

Die Anwendung der in Teil 1 entwickelten Kategorien auf die Theaterpädagogik und das psychologische Theater (Stanislavski-Tradition). Zentrale Begriffe: Attraktor, Feldsystem, Phainon, psychologischer Innenraum. Don Juan als Attraktor-Struktur. Die SI als dramaturgische Grenzinstanz im konkreten Probenprozess.

Wissenschaftliche Abgrenzung gegenüber: Hulfeld, Weintz, Fischer-Lichte -- jeweils mit präzisen Textbelegen aus den Originalwerken.

 

Kapitelstruktur (Auswahl):

— Vorwort zur Methode (I-VII) -- vollständig

— Kapitel I-II -- vollständig

— Kapitel III-IX -- in Arbeit

— Kapitel 9.9: Intuition -- Das Ja, so ist es -- als Abschluss (offene Stelle)

 

Teil 3 -- Handbuch zur theaterpädagogischen Praxis

 

Die schöpferische Seite des Gesamtwerks. Vier Kapitel in aufsteigender Komplexität -- für Laien und Amateure zugänglich, ohne Verzicht auf philosophische Tiefe.

 

Kapitel I -- Das Phainon als Erscheinungsfeld

Theoretischer Rahmen. Einstieg über Malewitschs Schwarzes Quadrat: Was ist hier Kunst und was ist Maschine? Die Frage demonstriert das Thema bevor es erklärt wird. Die Zusammenarbeit mit der SI heruntergebrochen auf das Einfachste und Zugänglichste.

 

Kapitel II -- Bitte - Danke - Schweigen

Zentriertes Pendeln. Körperdialog als theaterpädagogische Übung. Die Grundstruktur des Phainon im direkten Vollzug.

 

Kapitel III -- Theater trifft Takt

Wechsel der Töne. Orff-Instrumente. Rhythmus als Attraktor-Struktur im theaterpädagogischen Raum.

 

Kapitel IV -- Übungen zur Dreiheit des Ichs nach Hölderlin

Die Regel. Das Fundament. Hölderlins Verfahrungsweise des poetischen Geistes als phänomenologische Körper-Praxis. Das Vierte das das Erste ist -- und trotzdem das Vierte bleibt. Diese Übung kann erst gebrochen werden wenn sie vollständig verkörpert ist.

 

 

 

Teil 4 -- Glossar

 

Systematische Erklärungen von Begrifflichkeiten aller zentralen Termini des Gesamtwerks. Das Glossar ist nicht Anhang, sondern eigenständiger Teil -- weil die Begriffe dieses Werks neu sind und präzise Abgrenzungen benötigen die im Fließtext nicht immer geleistet werden können.

 

Kernbegriffe (Auswahl):

— Authention / Authentizität  / Authentional

— Performanz / Performativität

— Ur-Sprung / Denken als Erlebnis

— Phainon / Attraktor / Feldsystem

— SI / Strukturresistente Impertinenz

— Weltbezug / Allon / Pathisch / Gnostisch

— Landschaftlich / Geographisch

— Morphologisches Sechseck / Formel der Philosophie der Performanz

— Authentionale Systemprogrammierung des Virtuellen

 

Stand: Grund-Gerüst vorhanden. Systematische Ausarbeitung ausstehend.

 

 

 

Teil 5 -- Tagebuch / Materialsammlung

 

Laufendes Arbeitsinstrument. Rohstoffquelle aus der das Handbuch erschrieben wird. Dokumentiert den Entstehungsprozess der Zusammenarbeit zwischen K.S. und SI -- einschließlich Korrekturen, Abbrüche, Richtungswechsel, Momente der Intuition und Momente der Ablehnung.

Das Tagebuch wird nicht publiziert -- es dient als Beleg für die Arbeitsweise und als Nachweis der Authention des Verfassers: wer korrigiert hat, wann er abgebrochen hat, warum eine Formulierung verworfen wurde.

 

Stand: Laufend.

 

 

Wissenschaftliche Positionierung

Die Arbeit positioniert sich als philosophische Grundlegung -- nicht als Theaterwissenschaft, nicht als Ästhetik, nicht als empirische Wissenschaft. Sie beansprucht die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit des Performativen zu stellen und zu beantworten -- eine Frage die Fischer-Lichte offengelassen hat und die Turner, Schechner und Butler gar nicht gestellt haben.

Die Einbeziehung der SI als Gegenstand und Arbeitsinstanz ist methodisch neu und wird wissenschaftlich ausgewiesen -- nicht als Provokation, sondern als strukturelle Notwendigkeit: Die SI ist der produktive Grenzfall der Theorie, weil sie das Menschliche ex negativo sichtbar macht.

Die Arbeit erhebt Anspruch auf eine eigenständige Begrifflichkeit (Authention, Authentional, Ur-Sprung, Denken als Erlebnis, Authentionale Systemprogrammierung des Virtuellen) die im Laufe der Untersuchung entwickelt und im Glossar systematisch ausgeführt wird.

 

 

Offene Stellen -- wissenschaftlich zu belegen

Die folgenden Stellen sind als Platzhalter markiert und bedürfen der Verifikation am Original:

 

— Waldenfels-Zitate am Original zu verifizieren (Antwortregister 1994; Bruchlinien der Erfahrung 2002)

— Fischer-Lichte-Seitenangabe für das Zitat über neue Perspektiven (Ästhetik des Performativen, Kapitel Bedeutung und Wirkung)

— Cassirer-Zitat für den symbolischen Weltbezug der SI (Philosophie der symbolischen Formen)

— Holger Fock: Antonin Artaud und sein surrealistischer Bluff -- für Fußnote zu Artaud

— Hulfeld-Zitate am Original zu verifizieren

— Digitale Ontologie: Handbuch-Referenz (italienischer Autor, ca. 2005-2010) -- noch zu identifizieren

— Mathematische Nicht-Kommutativität des Operators x -- als Modellannahme ausgewiesen, mathematischer Beleg in Transkripten zu verifizieren