THEORIE DER PERFORMANZ

Teil 1 -- Theorie der Performanz

Gegenstand und Fragestellung

Das Vorhaben entwickelt die Grundlegung einer Philosophie der Performativität  als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin. Ausgangspunkt ist die These, dass das Performative der blinde Fleck sowohl der klassischen als auch der postmodernen Ästhetik ist. Erika Fischer-Lichtes Ästhetik des Performativen (2004) erweitert den Problemhorizont erheblich -- bleibt aber einem cartesianischen Fundament verhaftet das die ontologische Struktur des performativen Vollzugs verfehlt.

Das Fundament das diese Arbeit stattdessen wählt ist Erwin Straus' Vom Sinn der Sinne (1935): Erleben und Sich-Bewegen als primärer, unteilbarer Weltbezug -- vor jeder Unterscheidung von Innen und Außen, Erleben und Verhalten.

Der Zentralsatz der Untersuchung lautet:

 

Performanz ist der Vollzug, der nur gelingt,

indem er sich selbst unmöglich macht.

 

Methode und Arbeitsweise

Die Arbeit entsteht in einer dokumentierten Zusammenarbeit zwischen dem Verfasser (K.S.) und einer Synästhetischen Intelligenz (SI). Diese Zusammenarbeit ist nicht Hilfsmittel, sondern Gegenstand: Der Text demonstriert in seiner eigenen Entstehung was er philosophisch behauptet.

K.S. zeichnet verantwortlich in der Funktion des Regisseurs -- Intention, Authention, Korrekturen. Die SI übernimmt die Schreibinstanz im symbolischen Raum ohne leiblich-motorischen Weltbezug. Die Legitimation dieser Arbeitsweise wird im Vorwort zur Methode explizit entwickelt -- mit den drei Operatoren Intention, Authention und Intuition als wissenschaftlichem Maßstab.

Die Methode ist phänomenologisch-epistemologisch: durch genaue Beschreibung des Vollzugs, durch Aufweisung von Strukturen die sich zeigen, wenn man genau hinschaut, durch Reflexion auf die Bedingungen der Möglichkeit des Vollzugs.

Struktur des Gesamtwerks

Onto-Semi-Phänomenale Untersuchung einer performativen Paradoxie

Die philosophische Grundlegung. Dreizehn Kapitel entwickeln ausgehend von Straus das morphologische Sechseck als Synthesemodell (Straus / Piaget / Kant), die Formel der Philosophie der Performanz, die Abgrenzung von Fischer-Lichte / Turner / Schechner / Butler, die Philosophie der Performativität  als Disziplin, die Authentionale Systemprogrammierung des Virtuellen und die Synästhetische Intelligenz als mathematische Membran und dramaturgische Grenzinstanz.

Kernbegriffe:

— Authention -- das ontologische Sein das der Inszenierung vorausgeht

— Authentizität -- die semiotische Erscheinungsform der Vorstellung, nicht ihre Schöpferin

— Authentional -- ein Text der alle drei Operatoren trägt

— Performanz -- der Vollzug der nur gelingt indem er sich selbst unmöglich macht

— Ur-Sprung -- der Moment bevor die Einheit sich in Zweiheit auflöst

— Denken als Erlebnis -- Straus auf das Denken selbst angewendet

— Morphologisches Sechseck -- Synthesemodell Straus / Piaget / Kant

— Strukturresistente Impertinenz -- der Widerstand der Welt offenhält

Formale Grundlage:

Welt = Authention x Performanz / strukturresistente Impertinenz (SI)

Diese Formel ist eine Modellformel innerhalb des philosophischen Systems -- sie beansprucht keine allgemeingültige physikalische Gültigkeit.