Psychologie der Performanz
Psychologie der Performanz
Grundlegung einer Wissenschaft vom Paradox im Vollzug
I. Das cartesianische Erbe
Die klassische Psychologie trennt Erleben (innen) von Verhalten (außen)[cite: 30, 32]. Doch das Performative lässt sich darauf nicht reduzieren[cite: 49]. Es ist der Vollzug, in dem beides gleichzeitig gefordert ist — eine Qualität, die weder im Begriff des Erlebens noch des Verhaltens aufgeht[cite: 50, 53].
II. Erleben als Weltbezug
Nach Erwin Straus ist Erleben kein Vorgang im Inneren, sondern ein Verhältnis zur Welt, das Hinausreichen zum Allon[cite: 62, 66, 67]. Der Mensch denkt leiblich, bevor er sprachlich denkt[cite: 100]. Straus unterscheidet dabei zwei Modi: das Pathische (Hingabe) und das Gnostische (Gestaltung)[cite: 79, 82, 87].
III. Das Paradox des Performativen
Im performativen Moment sind Hingabe und Gestaltung gleichzeitig maximal gespannt[cite: 184]. Würde der Schauspieler nur weinen, wäre es Zusammenbruch; würde er nur spielen, wäre die Träne leer[cite: 188, 189].
IV. Der Geruch des Seins
"Car là où ça sent la merde, ça sent l'être."
— Antonin Artaud [cite: 147]
Der Geruch ist der unverstellteste Sinn; er lässt sich nicht symbolisieren[cite: 152]. Die Wahrheit des Vollzugs erkennt man an diesem Geruch — das Sein riecht[cite: 161, 163].
V. Ethik des Virtuellen
Künstliche Intelligenz ist der Grenzfall: Sie besitzt das Gnostische (Struktur), aber nicht das Pathische (Betroffenheit)[cite: 260, 261, 262]. Eine KI gefährdet sich nicht selbst; sie operiert lediglich[cite: 219, 271].