Dittgen/Gründel

POLAROID

Ein Stück in 25 Bildern

 

Anfang der 80er ist eine Frau gezwungen, sich eine neue Identität zu schaffen. Sie wird zu Veronika. Heute findet Alex ihre Spuren und versucht, ein Bild von ihr zu rekonstruieren. Er wird zu einem anderen.

 

POLAROID beschäftigt sich mit der Frage nach dem Wesen von Identität. Gibt es eine Identität oder setzen wir uns aus verschiedenen Bildern zusammen? Spielen wir nicht in verschiedenen Situationen auch verschiedene Rollen? Wodurch unterscheidet sich das Bild, das wir von uns selbst haben, von den Bildern, die andere von uns haben? Und was, wenn davon nicht mehr bleibt als ein Foto?

 

Das Stück spielt auf zwei Zeitebenen, die durch die jeweiligen Hauptfiguren miteinander verbunden sind. Eine Figur ist ihr Leben lang auf der Suche nach einer Identität, mit der sie sich wohlfühlen kann, hilflos läuft sie sich selbst hinterher. Die andere Figur wird in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gezwungen, ihre bisher scheinbar felsenfeste Identität und glatten Konturen zu hinterfragen und erstmals ernsthaft zu reflektieren.

 

POLAROID ist zugleich episches Dokumentationstheater und hyperrealistisches Kammerspiel. Die beiden Zeitebenen des Stücks, zu Beginn noch klar voneinander getrennt, überlagern sich im Handlungsverlauf mehr und mehr. Aus einer historischen Dokumentation wird so ein Dokument von Zeit. Das Zentrum des Stückes bilden die beiden Hauptfiguren der jeweiligen Zeitebenen. Was auf der einen Seite wie eine naturalistische Familienchronik anmutet, erscheint andererseits als Dekonstruktion des Subjekts.

 

Die Stimmung des Stückes sowie der Inszenierung ist getragen von der Hoffung auf verloren gegangenes Glück, ohne dabei der Schwermut mehr Raum als der Freude zuzugestehen. Es ist eine Stimmung, die sich manchmal beim Blick in ein behagliches Feuer oder bei der Beobachtung von bewegtem Wasser am Ufer eines Flusses sitzend einstellen mag.

 

 

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